Noch sechs zu lebenslang verurteilte RAF-Aktivisten in Haft

18. Mai 2001, 14:49
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Seit Beginn der linksterroristischen Aktivitäten Ende der 60er Jahre über 20 Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt

Karlsruhe - Seit Beginn der linksterroristischen Aktivitäten in der Bundesrepublik Deutschland Ende der 60er Jahre sind mehr als 20 Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sechs Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) sitzen bis heute im Gefängnis. Die längste Haftzeit dürfte Christian Klar noch vor sich haben, verurteilt unter anderem wegen des Mordes an dem Bankier Jürgen Ponto: Das Oberlandesgericht Stuttgart setzte seine Vollstreckungszeit auf 26 Jahre fest, so dass er frühestens im Jahr 2009 auf freien Fuß kommen kann.

Birgit Hogefeld, 1993 in Bad Kleinen festgenommen, hätte im Jahr 2008 von ihrer lebenslangen Haft 15 Jahre verbüßt - diejenige Zeitspanne, nach der frühestens eine Strafaussetzung zur Bewährung möglich ist. Da bei ihr die "besondere Schwere der Schuld" festgestellt wurde, ist eine vorzeitige Entlassung jedoch nicht sehr wahrscheinlich.

Kurz vor der Entlassung steht - wie am Freitag berichtet - der 52-jährige Rolf Heißler, der 18 Jahre wegen einer Schießerei mit tödlichen Folgen an der holländischen Grenze in Kerkrade eingesessen hat. Er kommt am 26. Oktober frei.

Die ebenfalls am Ponto-Mord beteiligte Brigitte Mohnhaupt hat bereits 19 Jahre abgesessen. Gegen sie war fünf Mal lebenslange Haft verhängt worden, ein Entlassungstermin ist noch nicht festgesetzt worden.

Auch bei Eva Haule, unter anderem wegen eines Sprengstoffanschlags auf den US-Flugstützpunkt in Frankfurt verurteilt, läuft die Mindesthaftzeit von 15 Jahren in diesem Jahr ab.

Rolf-Clemens Wagner verbüßt noch eine Strafe wegen eines 1979 in Zürich begangenen Banküberfalls, bei dem eine Passantin erschossen worden war. Vor wenigen Tagen wurde zudem Andrea Klump zu neun Jahren verurteilt. Die Anklage wegen RAF-Zugehörigkeit war allerdings zuvor fallen gelassen worden.

Vor zwei Jahren wurde der wegen der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer verurteilte Stefan Wisniewski nach 20 Jahren Haft entlassen, wenige Monate später auch die ebenfalls am Schleyermord beteiligte Sieglinde Hofmann. Helmut Pohl wurde 1998 nach einer krankheitsbedingten Haftunterbrechung entlassen und später begnadigt.

Auch Adelheid Schulz - wegen des Schleyermordes und der Kerkrade-Schießerei verurteilt - befindet sich inzwischen aus Gesundheitsgründen auf freiem Fuß; bei ihr läuft ein Gnadengesuch. 1998 wurde Peter-Jürgen Boock vorzeitig aus der Haft entlassen, 1996 Hanna Krabbe. (APA/dpa)

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