So finden Sie den richtigen Coach

23. August 2001, 08:55
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Der Unterschied zu Mentor, Mediator und Psychotherapeut

Alle sprechen davon, aber nur wenige wissen, worum es dabei geht: Coaching. Bietet sich jemand unter Hinweis auf sein Fachwissen an, dann handelt es sich eher um einen Mentor. Präsentiert sich die Person mit Bezug auf Konfliktlösungen, dann haben wir es mit Mediation zu tun.

Beleuchtung der aktuellen Situation

Was hingegen ist Coaching? Es geht um das Wir-Gefühl, gegenseitiges Verstehen, Beseitigung von Missverständnissen, Erhöhung der emotionalen Resonanz und der sozialen Kompetenz. Der Unterschied zur Psychotherapie? Es wird weniger Zeit für das Aufarbeiten familiärer Probleme verwendet, sondern vor allem die aktuelle berufliche Situationen beleuchtet.

Non direktiv

Darauf sollten Sie bei der Auswahl eines Coaches achten: Neben coachingspezifischer Ausbildung erscheint wirtschaftspsychologische und psychotherapeutische Fachkenntnis wichtig. Der Coach sollte nicht direkte Ratschläge geben, sondern non-direktiv arbeiten, um die Autonomie seiner Kundschaft zu fördern. Er soll mehrere Hundert Stunden Selbsterfahrung aufweisen können, in denen er selbst reflektieren gelernt hat.

Prominente Coaching-Ansätze bieten beispielsweise die Gruppendynamik (Lewin), die personenzentrierte Gesprächsführung (Rogers) oder die themenzentierte Interaktion (Cohn).

Die Frage, ob er in permanenter Supervision steht, muss ohne Zögern mit "Ja" beantwortet werden. Jeder Profi weiß, dass die eigene Beratungsarbeit immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden muss, um anomale Entwicklungen abzufangen. Eine essenzielle Grundbedingung für den Coaching-Erfolg besteht in der völligen Unabhängigkeit zwischen Klienten und Coach. Deshalb ist auch jeder Versuch, als Führungskraft die eigenen Untergebenen zu beraten, zum Scheitern verurteilt.

Noch ein wichtiger Rat

Nehmen Sie sich sowohl beim Einzel- als auch für das Gruppen-Coaching Probestunden mit verschiedenen Coaches. Entscheiden Sie sich nicht unbedingt für jemanden, mit dem Sie sich wohl fühlen, sondern für jemanden, mit dem Sie am intensivsten arbeiten können! Nach ein bis zwei Jahren wechseln Sie zu einem anderen. Das tut gut und beweist, dass Sie nicht symbiotisch gebunden (worden) sind. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Von Dr. Othmar E. Hill
Der Autor ist Vorstand der Wirtschafts-psychologInnen und Management-Begleiter, Leiter Hill International.

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