Gouverneur von Kalifornien kritisiert Bushs Energieplan

18. Mai 2001, 14:46
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Atomphysiker warnt vor Gefahr der Plutonium-Weiterverbreitung

Los Angeles/Washington - Der Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis, hat die neue Energiestrategie der US-Regierung scharf kritisiert. Der Plan, der vor allem auf fossile Energien und Atomkraft setzt, enthalte nichts, um die Stromknappheit in Kalifornien rasch zu bekämpfen, sagte der Demokratische Politiker am Donnerstag (Ortszeit) in Los Angeles.

Die Regierung will Naturressourcen wie Öl und Kohle stärker ausbeuten, bis zu 2000 Gas- und Atomkraftwerke bauen und tausende Kilometer neuer Pipelines legen. Damit soll der wachsende Energiebedarf in Zukunft gesichert werden. Nach den Berechnungen Washingtons wird der Erdölbedarf in den nächsten 20 Jahren um gut 30 Prozent steigen, der Erdgasbedarf um 50 Prozent und der Strombedarf um 45 Prozent.

Der Gouverneur verlangte, die Höchstpreise, die Energiegroßhändler verlangen dürfen, staatlich zu begrenzen. Nach einer fehlgeschlagenen Privatisierung des Strommarktes wurde in dem bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat in diesem Jahr schon mehrfach der Strom abgestellt. Die Großhändler nehmen in Spitzenzeiten exorbitante Preise, die die Versorgungsunternehmen wegen eines Preislimits nicht an die Verbraucher weiterreichen können und die sie an den Rand des Ruins treiben. Nach Angaben von Davis bezahlten die Kalifornier 1999 rund sieben Milliarden Dollar für die Stromversorgung, in vergangenen Jahr 27 Milliarden Dollar (30,6 Mrd. Euro/421 Mrd. S). In diesem Jahr könne die Rechnung sich noch einmal verdoppeln. Die Energiefirmen haben ihre Profite teilweise verzehnfacht.

"Einladung zur Katastrophe"

Auch Umweltschützer und Friedensforscher haben das Programm Bushs zur Bekämpfung der Energiekrise scharf kritisiert. Als "Einladung zur Katastrophe" bezeichnete der Leiter des Instituts für Nuklearkontrolle, Paul Leventhal, die geplante Wiederaufbereitung abgebrannter Atombrennstäbe. Bush verteidigte dagegen seine Pläne. Es müsse nicht sein, dass die Debatte das Land polarisiere, sagte er.

Der Präsident kündigte unter anderem an, die Bundesbehörden würden angewiesen, Regelungen zur Produktion von Energie aus Kohle, Gas und Atomkraftwerken zu lockern. Außerdem will er Landstriche in öffentlichem Besitz für Ölbohrungen freigeben. Besonders umstritten sind in diesem Zusammenhang die vorgeschlagenen Bohrungen im Arktischen Nationalpark in Alaska. "Der Bush-Plan ist ein Rezept für höhere Energierechnungen und mehr Umweltverschmutzung", sagte David Hawkins vom Rat zur Verteidigung Natürlicher Ressourcen (NRDC).

Bushs Programm sieht außerdem wieder eine größere Rolle für die Stromerzeugung aus Atomkraft und in diesem Zusammenhang auch die Einführung der Wiederaufbereitung vor. Der Atomphysiker Arjun Makhijani warnte vor neuen Problemen der Weiterverbreitung von Plutonium, das bei der Wiederaufbereitung anfällt. Er sei erstaunt, wie schnell die US-Regierung eine 25 Jahre lang für richtig gehaltene Politik ohne ernsthafte Debatte über Bord werfe. Die USA hatten die in Europa und Japan praktizierte Technik der Wiederaufbereitung unter der Regierung von Präsident Jimmy Carter fallen lassen, damit das dabei entstehende atombombenfähige Material nicht in die Hände von Terroristen oder unzuverlässigen Staaten fallen kann. (APA/dpa/AP)

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