Chairwoman emerita

18. Mai 2001, 14:41
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Festliche Hofübergabe bei BBDO Werbeagentur Österreich: Michael Baulk, der angereiste Europachef des Werbemultis, über die Kreativszene

Palais Schwarzenberg, Ende vergangener Woche: Elfriede Laher übergab nach 27 Jahren Zugehörigkeit zum Unternehmen das Szepter der Werbeagentur BBDO an ihre beiden Nachfolger Markus Enzi und Hannes Sonnberger.

Die Prunkräume waren gefüllt mit namhaften Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Medienszene. Der eigens aus London angereiste BBDO CEO Europe und CEO der AMV Group UK, Michael Baulk, unterstrich den "staatstragenden" Charakter des Abends.

Immerhin kann er mit seinem Österreich-Standbein mehr als zufrieden sein: Laut Agenturranking der Branchenblätter Bestseller und Horizont liegt die BBDO Gruppe im Jahr 2000 mit rund 273 Millionen Schilling Honorarumsatz auf Rang eins. Und löste damit die seit 17 Jahren unangefochtenen Branchenleader Demner, Merlicek und Bergmann und Lowe Lintas GGK vom Spitzenplatz ab. Die Ende 1999 erfolgte Zusammenführung mit der Palla, Koblinger Gruppe zur neuen BBDO Holding brachte das angepeilte Ziel deutlich früher als geplant.

Standard: Wie fühlt man sich als größte Agentur Österreichs?

Baulk: Ich freue mich sehr, dass wir das größte Werbeunternehmen des Landes sind.

Standard: Wofür steht BBDO?

Baulk: Für, wie wir es nennen, "The work. The work. The work." Ähnlich bedeutsam wie "die Lage" in der Immobilienbranche ist in unserem Geschäft unsere Arbeit.

Standard: Ist es nicht schwierig, mit so vielen unterschiedlichen Agenturidentitäten eine gemeinsame Flagge zu zeigen?

Baulk: Was alle verbindet, ist die Qualität der Kreativität, die auch unsere Reputation ausmacht. Wir haben beispielsweise mit unserer Internetcompany und auch der Mediaagentur aus Österreich einen Erfolg in Cannes landen können. Palla, Koblinger_Proximity ist europaweit unter den meist ausgezeichneten Agenturen.

Standard: Wie sehen Sie das Niveau österreichischer Werbung im internationalen Vergleich?

Baulk: Meine Top 6 sind Großbritannien, gefolgt von den USA, Brasilien, Australien Frankreich und Spanien. Dann erst kommt Österreich. Aber es muss gesagt werden, dass man Kreativität immer situativ beurteilen muss. Man kann also schwer Kreativität zwischen Brasilien, Australien oder Österreich vergleichen. Ich würde aber trotzdem Österreich nicht unter die Top 5 reihen, obwohl generell gesagt, die meisten Agenturen sehr gut in Strategie, Organisation und Customer Relationship sind. Das Defizit liegt in der Kreativität. Und genau darauf wird BBDO in Österreich fokussieren.

Standard: Was können Sie persönlich dazu beitragen, dass in Österreich bessere Werbung gemacht wird?

Baulk: Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit. Wir glauben an Ideen.

Standard: Wofür würden Sie nicht werben?

Baulk: In England würden wir keine Kampagnen für politische Parteien machen. Was in Österreich ausscheidet, das müssen Sie die Geschäftsführer unserer Agenturen fragen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.5.2001)

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