Hom-Rusch-Urteil sorgt im Burgenland für Kopfschütteln

18. Mai 2001, 14:54
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Fünf Jahre Gefängnis, aber tagsüber "Freigänger"

Eisenstadt - Für Kopfschütteln sorgt das am Mittwoch in Berlin gegen den mutmaßlichen Milliardenbetrüger Walter Alexander Thom alias Gualterio Alejandro Hom-Rusch verhängte Urteil im Burgenland: Der ehemalige Chef der Howe-Baugruppe, der mit seinen Finanzgeschäften die Bank Burgenland kurzfristig an den Rand des Abgrunds gebracht hatte, wandert zwar vorerst für fünf Jahre ins Gefängnis, darf aber als "Freigänger" die Haftanstalt tagsüber verlassen.

"Fast ein Hohn gegenüber den Burgenländern"

"Für mich ist das Urteil nicht nachvollziehbar", kommentierte Landeshauptmann Hans Niessl (S) die Entscheidung. Offensichtlich sei die rechtliche Situation in Deutschland anders als in Österreich: "Er wird schon wissen, warum er sich nach Deutschland abgesetzt hat." Niessl ist überzeugt, dass es noch zu weiteren Verfahren kommen wird. "Da wird das letzte Wort noch nicht gesprochen sein." Unzufrieden mit der gewählten Vorgangsweise ist auch LHStv. Franz Steindl: "Für mich ist das Urteil unverständlich." Er empfinde die Entscheidung "direkt als ein Hohn gegenüber den Burgenländern", sagte der ÖVP- Chef.

Gesamtschadensausmaß von rund 350 Millionen Schilling Am Landesgericht Eisenstadt, an dem im Februar Ex-Bank Burgenland- Generaldirektor Ernst Gassner zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde, meinte Richter Alfred Ellinger zu der Angelegenheit, nach der österreichischen Rechtsordnung sei das Urteil "eher verwunderlich". Offenbar habe man zuerst ein paar "wasserdichte Fakten" angeklagt, um Zeit zu gewinnen. Hom-Rusch stand in Berlin wegen Untreue in zwei Fällen, Beihilfe zur Untreue in drei Fällen und Urkundenfälschung bei einem Gesamtschadensausmaß von rund 350 Millionen Schilling vor dem Richter.

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