Schumacher spricht sich für Barrichello als Teamkollegen aus

18. Mai 2001, 14:39
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Die Situation sei nun geklärt - Der Brasilianer gibt sich nicht mit Status der Nummer 2 zufrieden

München/Fiorano - Mit einem dicken Lob für seinen Ferrari-Teamkollegen und klärenden Worten hat sich Michael Schumacher um ein Ende der Aufsehen erregenden Stallorder-Debatte bemüht. Der Formel-1-Weltmeister sprach sich bei den ersten gemeinsamen Testfahrten mit Rubens Barrichello seit dem Großen Preis von Österreich öffentlich für dessen Vertragsverlängerung bei Ferrari aus.

"Ja", sagte Schumacher in Fiorano auf die Frage, ob er auch im kommenden Jahr zusammen mit dem Brasilianer im Team sein wolle, und erklärte: "Er ist ein sehr guter Teamkollege, er ist sehr schnell." Nach dem Wirbel um die umstrittene Stallorder sei die Stimmung im Team jetzt wieder "geklärt".

Nicht Schumachers Interessen sondern jene Ferraris

"Ich will nicht davon reden, dass gleich nach dem Rennen alles Friede, Freude, Eierkuchen war, da gab's sicher Ungereimtheiten, speziell bei Rubens", räumte Schumacher jedoch ein. Das Team habe dem Brasilianer gesagt, dass er "nicht für mich arbeitet, sondern für die Teaminteressen". Dies würde auch für den umgekehrten Fall gelten.

Bei den Testfahrten am Donnerstag auf der firmeneigenen Strecke war Schumacher deutlich schneller als sein Kollege. Erneut versuchte der dreifache Champion, die in der Öffentlichkeit so umstrittene Ferrari-Strategie zu Gunsten des Deutschen verständlich zu machen. Er fühle "keine Genugtuung", sagte er gegenüber RTL. Das Team stehe hinter dem, der Weltmeister werden könne. "Das ist der schlichte Fakt. Es wird zwar immer so ausgedrückt, als ob das Team nur für mich und gegen meinen Kollegen entscheidet. Aber das Team entscheidet für den, der schneller ist. Und ich habe am Anfang des Jahres bewiesen, dass ich der Schnellere bin, dass ich die meisten Punkte habe und dass der Punkteabstand groß genug ist", betonte Schumacher.

Auch Konkurrent McLaren-Mercedes habe in der Vergangenheit Teamorder praktiziert. Schumacher vermutet aber, dass es zwischen den Silberpfeil-Piloten David Coulthard und Mika Häkkinen "einfach enger zugeht", so dass dem Rennstall die Festlegung auf einen der beiden Fahrer schwerer falle.

Chancen für Vertragsverlängerung

Barrichello scheint mit seiner Rolle in seinem zweiten Ferrari-Jahr immer unzufriedener zu werden. "Ich muss niemandem etwas beweisen. Und wenn, dann nur Ferrari. Das hätte ich aber in der ersten Saison tun müssen", sagte der 28-Jährige im Interview der Fachzeitschrift "sport auto" (Freitag-Ausgabe). Zudem werde er künftig nur noch intern über Probleme reden, sich beispielsweise nicht mehr öffentlich über ein Überholmanöver von Schumacher wie in Malaysia beschweren. "Wer für Ferrari fährt, kann damit ein Problem bekommen, weil der Druck der Öffentlichkeit so groß ist. Bei anderen Teams geht es unter", so Barrichello. Die Antwort auf die Frage nach Abhilfe klang resignierend: "Indem man keine Sätze sagt, die länger als drei Worte sind."

Barrichellos Vertrag läuft zum Saisonende aus. Bis Ende August datiert eine Optionsmöglichkeit des Teams. Durch Schumachers Votum hat der Brasilianer gute Chancen auf Weiterbeschäftigung, womöglich will er dies aber gar nicht. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Eddie Irvine will sich der Südamerikaner nicht mit einer Überlegenheit des Teamkollegen abfinden: "Ich würde das nie tun." (APA/dpa)

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