Positiv lebt es sich leichter

18. Mai 2001, 14:33
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Eigene Gefühlswelt entsprechend gestaltbar

Lexington - Positive Gefühle können das Leben verlängern. Umgekehrt können Hass, Angst und Depression auf Dauer zu schweren und häufig tödlichen Alterskrankheiten führen. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Langzeitstudie der Universität von Kentucky. Menschen, die über Jahrzehnte hinweg mehrmals täglich ausgesprochen negativ empfinden, schaden demnach ihrem Körper und haben ein deutlich höheres Risiko, einer Herzkrankheit oder einem Schlaganfall zum Opfer zu fallen oder an einer so genannten Altersdemenz zu erkranken.

678 katholische Ordensschwestern hatten sich 1986 bereit erklärt, jedes Jahr ihren körperlichen und psychischen Zustand von den WissenschafterInnen um den Neurologen David Snowdon überprüfen zu lassen und nach ihrem Tod ihr Gehirn den ForscherInnen zur Verfügung zu stellen. Die im "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlichte Studie lieferte nun zum einen den Beweis, dass ein Schlaganfall oder ein Schädeltrauma die Gefahr vergrößert, später an Alzheimer oder einem anderen Demenzleiden zu erkranken. Die ForscherInnen konnten auch zeigen, dass Folsäure die zerstörerischen Auswirkungen dieser Krankheiten bekämpfen kann.

Blick auf frühe mentale Fähigkeiten

Zudem hatten die WissenschafterInnen bereits einige Jahre zuvor die Autobiografien untersucht, die 180 der Nonnen im Alter von 20 bis 30 Jahren geschrieben hatten. Die MedizinerInnen stellten fest, dass jene Ordensschwestern, die in diesen jungen Jahren ihre Gefühle auf einem hohen Niveau äußern konnten, später deutlich seltener Symptome der Alzheimer-Krankheit zeigten. "Wir lernten dadurch, dass wir mit einem Blick auf frühe mentale Fähigkeiten mit 85- bis 90-prozentiger Sicherheit voraussagen können, wer 60 Jahre später die für Alzheimer typischen Hirnschädigungen zeigen wird", sagte Snowdon.

Nun studierten die WissenschafterInnen die Biografien noch einmal genauer und suchten gezielt nach Schlüsselwörtern wie "glücklich", "Spaß", "Liebe", "Hoffnung" und "Vertrauen". Bei einem Vergleich mit den Gesundheitsdaten der Ordensschwestern stellten die MedizinerInnen fest, dass die Nonnen, die besonders viele positive Gefühle in ihren Biografien niedergeschrieben hatten, rund zehn Jahre länger lebten als jene mit eher negativen Empfindungen.

Für ein langes und gesundes Leben sei es daher nicht zur wichtig zu erkennen, dass negative Emotionen einen nachteiligen Effekt auf die Lebensdauer haben, sondern auch zu lernen, die eigene Gefühlswelt entsprechend zu gestalten, sagte Snowdon. (APA/AP)

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