Villach: Eklat bei Paracelsusring-Verleihung

18. Mai 2001, 13:49
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FPÖ-Politiker verlassen nach Antisemitismus-Kritik des US-Medizinethikers Loewy den Saal

Villach - Die eindringliche Warnung vor einem zunehmenden Ausländerhass und Antisemitismus richtete Donnerstag Abend der in den USA lebende gebürtige Wiener Medizinethiker Prof. Erich H. Loewy an die Bevölkerung Österreichs. Es sei "erschreckend, wenn man die selben Vokabel wie 1938 hört" und "wenn sich eine Atmosphäre entwickelt, in der Hass salonfähig wird", sagte Loewy in seiner Dankesrede anlässlich der Entgegennahme des Paracelsusringes, der höchsten Kulturauszeichnung der Stadt Villach.

"Ich sorge mich um dieses Land", meinte der 1927 als Sohn eines jüdischen Kinderarztes in Wien geborene Loewy, der 1938 vor den Nazis in die USA geflohen war. Die vergangene Wahl in Wien gebe einem "zwar etwas Hoffnung", doch sei es offensichtlich, dass 20 Prozent der Wähler "entweder diesen alten oder den neuen Hass akzeptieren oder dass er ihnen gleichgültig ist und sie eben bereit sind, ihn mit in Kauf zu nehmen". Zu den "Gleichgültigen" müssten auch Menschen und Parteien gezählt werden, "die bereit sind mit einer Partei, die sich ganz offen und für alle verständlich gegen Ausländer, Juden und Andersdenkende wendet, eine Koalition zu bilden".

Loewy: "Es sind, um genau zu sein, Menschen wie Bundeskanzler Schüssel, die es zusammenbringen, in einer Koalition mit Partnern zu arbeiten, wie dem Dr. Haider, der heuer beim Neujahrs- und danach beim Aschermittwochstreffen der FPÖ klare antisemitische Parolen von sich gegeben hat". Und weiter: "Es sind Menschen, die, um an einer fast lächerlichen Macht zu bleiben, bereit sind, ihre Seele, ihre Anständigkeit, ihre Humanität zu verkaufen."

Wie Loewy weiter sagte, würden "der gravierende Fremdenhass und die Einstellung gegen den Anderen" eine Gefahr darstellen, "die wir als Bedrohung unserer Gesellschaft und jedes Einzelnen von uns begreifen". Auch gebe es genug Leute, "die diesen Hass schüren, ausnützen und schließlich den Brandstiftern überlassen". Loewy: "Herrn Haider als 'Ziehvater des rechtsextremen Terrorismus zu bezeichnen, ist, glaube ich, treffend". Und der Medizinethiker weiter: "Wir hier in Österreich sind heute bedroht."

Die freiheitlichen Teilnehmer der Festveranstaltung im Kurhotel Warmbaderhof, an der Spitze Vizebürgermeister Walter Lang sowie Stadtrat und Klubobmann Walter Ladstätter, verließen während der Rede Loewys den Saal. Sie kehrten erst nach dem Ende seiner Ansprache zurück.

Loewy lebt seit seiner Emigration in den USA und unterrichtet an der University of California. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der "Ethik in der Medizin", wozu er eine Reihe von Publikationen veröffentlichte. Loewy ist auch Begründer und Präsident der nach dem Vater der modernen Medizinethik benannten "Hans-Jonas-Gesellschaft", die sich zum Ziel gesetzt hat, den Dialog über ethische Probleme des Gesundheitswesens zu fördern. Im vergangenen Jahr war Loewy auch Gast beim Europäischen Forum Alpbach.

Der Kärntner FPÖ-Klubobmann Martin Strutz wertete die Aussagen Loewys als "ungeheuerliche persönliche Diffamierung" von Landeshauptmann Jörg Haider. Dem Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter warf er vor, zu versuchen, "über Ehrungen politisches Kleingeld zu wechseln".

Neben Loewy wurde am Donnerstag auch der ärztliche Leiter der Wiener Privatklinik, der gebürtige Villacher Univ. Prof. Hanno Millesi, mit dem Paracelsusring ausgezeichnet. Der 1953 zur Erinnerung an den berühmten Arzt Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, sowie an dessen Vater Wilhelm Bombast von Hohenheim ins Leben gerufene Ring wird zumindest alle drei Jahre verliehen. Unter seinen Trägern finden sich der Atomphysiker Ernst Schrödinger, der Unfallchirurg Lorenz Böhler, der Komponist Cesar Bresgen, der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der Psychologe Paul Watzlawick und der ehemalige Caritas-Präsident Helmut Schüller. (APA)

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