Zeitungsverleger gegen Öffnung regionaler TV-Werbung

18. Mai 2001, 17:39
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VÖZ befürchtet "im Minimum" eine Abwanderung von 500 Millionen zum ORF

Mit "wachsender Sorge" verfolgen die österreichischen Zeitungsverleger die neu aufgeflammte Debatte über eine Öffnung des ORF-Gesetzes für regionale TV-Werbung. "Wir lehnen eine solche Öffnung wegen schwerwiegender Folgen für die österreichische Medienwirtschaft entschieden ab", heißt es in einem Brief von Max Dasch, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), der an den Bundeskanzler, die Vizekanzlerin, die Klubobleute der im Parlament vertretenen Parteien und deren Mediensprecher sowie an Landeshauptleute und Wirtschaftskammer geschickt wurde.

"Klarer Konsens"

Bei der ORF-Gesetz-Novelle 1993 sei es "klarer Konsens" gewesen, dass die Zeitungsverleger einer schrittweisen Anhebung der national zulässigen TV-Werbung in den ORF-Programmen um mehr als 100 Prozent innerhalb von acht Jahren nur dann zustimmen, wenn gleichzeitig TV-Werbung nur national möglich ist und die regionale Hörfunkwerbung auf fünf Minuten je Landesstudio begrenzt wird. Denn: Der ORF habe nicht nur das Recht zur Gebühreneinhebung, was ihm "einen Wettbewerbsvorteil gegenüber privaten Mitbewerbern in Höhe von fünf Milliarden Schilling pro Jahr verschafft, sondern er hat auch im Vergleich zu allen anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Europa die großzügigsten Werbemöglichkeiten", erklärt Dasch.

Abwanderung von 500 Millionen

Eine Öffnung der ORF-Werbung für regionale Werbung hätte jedenfalls gravierende Folgen: Auf Basis erzielter Werbeeinnahmen des ORF und erzielbarer Werbetarife müsse "im Minimum" mit einer Abwanderung von 500 Millionen zu einer solchen regionalen Spot-Werbung im ORF gerechnet werden, so die VÖZ-Berechnungen.

"Dies trifft sofort private regionale Hörfunkbetreiber, und zwar in beträchtlichem Ausmaß; eine Reihe von ihnen müsste sicher aufgeben." Darüber hinaus werde die eben erst beabsichtigte Einführung von privatem Regionalfernsehen von Vornherein unmöglich gemacht, da Newcomer keine Werbekunden finden werden. "Zeitungen mit dem Schwerpunkt regionaler Werbung - das sind die Marktführer in allen Bundesländern, aber erst recht die Zweit- und Drittzeitungen, wo solche noch bestehen - würden massiv und substanziell betroffen und vermutlich würden die letzteren beiden Gruppen ihr Erscheinen einstellen müssen, was einer weiteren Reduktion der österreichischen Tageszeitungslandschaft um ein Drittel entspräche."

Die ohnehin - europa-, ja weltweit gesehen - schon höchste Konzentration unter den Tageszeitungen in Österreich würde durch die angesprochenen Maßnahmen weiter verstärkt, die "überlebenden" Zeitungen würden ernsthaft geschwächt und damit würde dies zu einem nicht wieder gut zu machenden Schaden für die österreichische Demokratie führen, befürchtet der VÖZ-Präsident. (APA)

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