Ein Fall von klassischem "Topsy-Turvydom"

18. Mai 2001, 15:24
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Schwangere Jungfrau unter Piraten? "Ernsthaft kompromittierend"

London - Wie die "künstlerische Integrität" der Gilbert&Sullivan- Operette "The Pirates of Penzance" im Londoner West End "ernsthaft kompromittiert" werden kann, hatte nun Ian Martin, der Chefmanager der Gesellschaft D'Oyly Carte, am Freitag der "Daily Mail" zu erklären. Die britische Sängerin Bethany Halliday (27) hat nämlich die Operngesellschaft wegen Diskriminierung verklagt, weil sie als Hochschwangere keine Jungfrau spielen darf.

Leser, die in den vergangenen Monaten die Gelegenheit genützt haben, Mike Leighs Oscar-prämierten Film "Topsy-Turvy" über Entstehung und Hochblüte der Gesellschaft zu sehen, könnten ein Dejà-Vu empfinden: D'Oyly Carte selbst ist dann noch als geduldiger Manager in Erinnerung, die bisweilen absurd wirkende Erscheinung der Vaudeville-Acts der Gilbert&Sullivan- Operetten bildlich präsent, der Begriff der "künstlerischen Integrität" somit sehr relativiert. Und neben dem romantischen Hauptdarsteller mit Kokainsucht gab es da noch die von Leonora Brabham gespielte Darstellerin der Jungfrauenrollen mit ihrem "Sweet Little Secret", ihrem verheimlichten Kind.

Jedenfalls meinte D'Oyly Cartes Nachfolger Ian Martin nun in einem eher fragwürdigen Vergleich, eine schwangere Jungfrau unter den Vaudeville-Piraten, das wäre genauso, als wenn die weibliche Hauptrolle in "Romeo und Julia" von einer Schwangeren übernommen würde. Sängerin Halliday dagegen argumentiert, dass sie den Part nur nicht bekommen habe, weil sie beim Vorsprechen unvorsichtigerweise erwähnt habe, schwanger zu sein. Damit habe die Gesellschaft sie diskriminiert. Zum Zeitpunkt der Aufführung wäre sie im siebenten und achten Monat. Die Schauspieler-Gewerkschaft "Equity" unterstützt ihre Klage vor einem Arbeitsgericht.
hcl auf Basis von APA/dpa

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