Handbuch für Gleichberechtigung in den Medien

18. Mai 2001, 13:01
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Tipps für die Redaktionen zu Inhalten und Personalentscheidungen

Windhuk - Afrikanische JournalistInnen und FrauenrechtlerInnen, die sich dafür einsetzen, dass die Belange von Frauen in den Medien stärker berücksichtigt werden, haben ein 'Handbuch für Gleichberechtigung' erstellt.

Herausgeberin ist die Nichtregierungsorganisation (NGO) 'Gender Links' mit Sitz im südafrikanischen Johannesburg. Das Buch ist Teil der Aktivitäten von 'Afrika Gender and the Media' (GEM) - einer Initiative, an der neben Gender Links der im kenianischen Nairobi beheimatete 'African Women and Child Feature Service' und IPS mitarbeiten.

"In den täglichen Nachrichten kommen Frauen und ihre Themen nach wie vor zu kurz", sagt Colleen Lowe Morna, die Exekutiv- Direktorin von Gender Links. Der gleichen Meinung ist ihre Mitstreiterin bei der NGO, Thenjiwe Mtintso. "Eigentlich kann man nicht von Pressefreiheit sprechen, wenn die Medien etwa der Hälfte der Bevölkerung in der Region keine Stimme schenken", so die stellvertretende Generalsekretärin der südafrikanischen Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC).

Wie sehr sich die Medienwelt auf Männerfragen eingeschossen hat, belegt die 'World Association for Christian Communication' (WACC) in einem Bericht aus diesem Jahr. Dem Papier zufolge betreffen nur 18 aller Meldungen Frauen und ihre Belange.

Ähnlich unausgewogen ist das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern in Rundfunk und Presse. Nach einem Report des 'Global Media Monitoring Project' von 2000 stellen Frauen nur 20 Prozent aller Reporter und arbeiten hauptsächlich im Printsektor.

Deutlich bevorzugt allerdings werden sie als Sprecher in Radio und Fernsehen. Weltweit besetzen Frauen in diesem Bereich 56 Prozent aller Stellen. In Afrika sind es immerhin 48 Prozent. In die höheren Sphären der Entscheidungsträger oder Eigner von Presseorganen aber dringen Frauen nur sehr zögerlich vor.

"Die Medien sollten eine Vorreiterrolle übernehmen", meint Lucy Oriang, stellvertretende geschäftsführende Chefredakteurin bei der kenianischen Zeitung 'Daily Nation'. Es wäre ihre Aufgabe, die nötigen Veränderungen in der Zivilgesellschaft zu fördern. Allerdings erschwere die tägliche Hektik in den Redaktionen dies sehr.

Robert Jamieson vom 'Chronicle of Malawi' hält für entscheidend, dass der Begriff Gender nicht als ausschließlich auf Frauen bezogen missverstanden wird. Es gehe um das Geschlechterverhältnis und also auch um Männer, betont er.

Wie eine ausgewogene Arbeit in den Medien aussehen kann, ist in dem neuen Handbuch nachzulesen. Es beinhaltet unter anderem eine Checkliste, nach der sich die Redaktionen auf Herz und Nieren prüfen können, weiter sind hier Ratschläge für Aufbau und Umsetzung von Gleichberechtigung in Personalstruktur und Nachrichteninhalten zu finden.

Für den finnischen Medienexperten Kaarle Nordenstreng ist das Handbuch eine großartige und sinnvolle Einrichtung. "Wir in Europa führen ganz ähnliche Debatten", sagte er auf einem Seminar im namibischen Windhuk, wo das 144 Seiten starke Handbuch vorgestellt wurde. Er sei sich sicher, das sich das neue Buch bald sehr bezahlt machen werde.

Anlass der Tagung vom 1. bis 5. Mai war die Feier des zehnten Jahrestags der so genannten Windhuk-Deklaration, in der afrikanische Journalisten eine 'freie, unabhängige und pluralistische Presse' fordern. (IPS)

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