Wasser macht Höhlen oft zur Falle

18. Mai 2001, 12:49
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Dramatische Rettungsaktionen

Hamburg - Dunkle, tiefe und weit verzweigte Höhlen ziehen in aller Welt Menschen in ihren Bann und werden für manche auch zum Verhängnis. Hauptfeind der Neugierigen und Forscher ist das Wasser. Plötzliche Wassereinbrüche - oft nach schweren Regenfällen - überraschten in den vergangenen Jahren immer wieder selbst professionelle Höhlenforscher und versperrten den Weg zurück ans Tageslicht. Die Rettungsaktionen waren oft schwierig und manchmal an Dramatik kaum zu überbieten.

Sieben vermisste Profi-Forscher in Südfrankreich

So verwandelte sich die Umgebung der südfranzösischen Vitarelles-Grotte im November 1999 in eine riesige Baustelle mit schwerem Bau- und Bohrgerät, um sieben vermisste Profi-Forscher zu befreien. Unter den 150 Rettungskräften waren auch die besten Höhlenforscher des Landes, die aus ganz Frankreich eingeflogen worden waren und die auch mit Regen, Frost und Schnee zu kämpfen hatten. Die Helfer arbeiteten sich unter der Erde und von oben mit Bohrschächten zu dem Ort in der Höhle vor, an dem die Eingeschlossenen vermutet wurden. Nach zehn Tagen erblickten die Vermissten wohlbehalten wieder das Tageslicht.

Mit Hilfe eines Vakuumzeltes durch die Höhle geschleust

Drei Tage mussten es 16 Höhlenbesucher im Juli 1997 in der Salzgrabenhöhle in den Berchtesgadener Alpen aushalten. Mit Hilfe eines Vakuumzeltes wurden sie durch die unter Wasser stehenden engen Stellen der Höhle geschleust. Zur Rettung der unverletzten 14 Pädagogen und ihrer beiden Führer waren 60 Männer, darunter auch Taucher, im Einsatz.

Oft gelingt Höhlengängern Rettung allein

Doch auch immer wieder gelingt es Höhlenforschern sich aus eigener Kraft aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Sie warten dann wie die fünf Forscher im Dezember 1999 im Schweizer Kanton Schwyz einfach ab. Nach ihrer Rettung nach drei Tagen sagten die fünf Schweizer, sie hätten ein normales, wenn auch verlängertes Höhlenwochenende verbracht. Von einem "langen Wochenende" sprach auch ein Amerikaner, der in der Nähe der Stadt Albany im US-Bundesstaat New York mit eingeklemmten Fuß bis zu seiner Rettung in 45 Metern Tiefe festsaß.

In eines der tiefsten Höhlensysteme der Welt mussten 50 freiwillige Helfer in Neuseeland klettern, um einen Verletzten zu befreien, der beim Erkunden der Bulmer-Höhle 15 Meter tief stürzte. Hobby-Forscher aus ganz Neuseeland waren dafür zu Hilfe geeilt.

Tragisch endete die Rettung eines 16-jährigen Mädchens in China: 42 Tage hatte Li Qingzhu in einer steinzeitlichen Höhle in Südwestchina ohne Nahrung und nur mit Wasser überlebt. Vier Tage nach ihrer Rettung im Juni 1998 hörte das Herz des auf 30 Kilogramm abgemagerten jungen Mädchens auf zu schlagen. (APA/dpa)

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