Ballaststoffe doch kein Schutz vor Dickdarmkrebs?

18. Mai 2001, 12:28
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Manche Fasern erhöhen das Risiko sogar - dennoch werden sie für die Gesamtgesundheit empfohlen

München - Ballaststoffreiche Ernährung schützt entgegen weit verbreiteten Auffassungen nicht vor Darmkrebs. Bestimmte Fasern aus Getreide, Obst oder Gemüse können das Krebsrisiko sogar erhöhen, erklärt der amerikanische Fachmediziner Robert Goodlad. Die deutsche Fachzeitung "Ärztliche Praxis" berichtet über die seit 16 Jahren laufende Bostoner Nurses Studie an 88.000 Krankenschwestern, die den gesundheitlichen Nutzen von ballaststoffreicher Kost in Frage stellt.

Demnach schützen diese Nahrungsbestandteile weder vor Darmkrebs noch vor der Bildung von Darmpolypen. Während seit den frühen 70-er Jahren eine ballaststoffreiche Ernährung als gesund propagiert wurde, wächst seit einigen Jahren der Kreis von Experten, die genau das Gegenteil behaupten. Der kürzlich veröffentlichte Report der European Cancer Prevention Organisation Study Group stellte sogar einen Zusammenhang zwischen ballaststoffreicher Ernährung und der Neubildung von Krebsgeschwüren im Bereich des Dick- und Mastdarms fest. Laut dieser Studie erhöhte sich das Darmkrebsrisiko bei den Personen, die am meisten Gemüse aßen, um 35 Prozent.

"Offenbar ist nicht jede Faser gut für unseren Darm", so Goodlad. Manche Ballaststoffe - besonders die aus den so genannten Nahrungsergänzungsmitteln - würden rasch fermentiert und lösten dadurch eine exzessive Vermehrung von Darmbakterien aus. Dies könnte gefährlich sein. Andere wiederum stehen im Verdacht, Zellteilungsvorgänge zu stimulieren, die bei der Bildung von Krebs eine Rolle spielen.

Dennoch plädiert Goodlad dafür, auch weiterhin reichlich Ballaststoffe zu essen. Schließlich seien darin wertvolle Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Auch handle es sich wegen des geringen Fett- und Kaloriengehalts um gesunde Kost. Dabei sollten Obst- wie Gemüsefasern gegenüber Getreidefasern bevorzugt werden, rät der Experte. (pte)

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