Medikamente aus dem Internet bedenklich?

20. Mai 2001, 19:10
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Das Gesundheitsinstitut warnt vor unseriösen Praktiken und "haarsträubenden Untersuchungsergebnissen"

Wien - Mit einer Broschüre will das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) über die Gefahren und Risiken beim Einkauf von Medikamenten aus dem Internet informieren. Ab kommender Woche liegt das Heft bei allen praktischen Ärzten in Österreich sowie in Apotheken auf.

Vergangenen Herbst machte das ÖBIG die Ergebnisse der Studie "E-Pharma. Arzneimittelvertrieb im Internet" publik. Bei den Testeinkäufe bei 20 Internetapotheken zeigten die Experten Probleme im E-Pharma-Geschäft auf. Auch die neue Broschüre "Medikamente aus dem Internet" listet mit Hilfe des Testeinkäufers "Herr Emann" die negativen Erfahrungen auf: Erlebnissen mit unseriösen Online-Doktoren, Abbuchen von Geld ohne Lieferung der Ware, Falschinformation über die beworbenen Medikamente sowie Lieferung von einzelnen Pillen in ramponierten Kuverts und Beipackzettel in chinesischer Schrift.

"Haarsträubende Ergebnisse"

Die Konsumenten sollen zudem über die rechtlichen Bestimmungen im Hinblick auf die Einfuhr von Medikamenten nach Österreich informiert werden. "Die Ergebnisse der Untersuchung im vergangenen Jahr hatte haarsträubende Ergebnisse erbracht", sagte Dr. Sabine Vogler vom ÖBIG und Autorin der Studie. "Es gibt für diese Art von Arzneimittelbestellung keine Sicherheit und keine Beratung über Nebenwirkung und Risiken."

Am liebsten werden so genannte Lifestyle-Medikamente wie die Potenzpille Viagra, das Schlankheitsmittel Xenical oder die Anti-Raucher-Pille Zyban bestellt, so Vogler. "Wahrscheinlich glauben die Leute, dass sie sich auf diesem Weg niemandem rechtfertigen müssen. Die Hemmschwelle, Viagra übers Netz zu kaufen, ist wesentlich niedriger."

Kostenkalkulation

Vogler warnte davor, zu glauben, dass die Internet-Arzneimittel wesentlich billiger sind: "Viagra wird zum Beispiel über die Pages stückweise verkauft, normalerweise gibt es diese in Packungen zu vier oder zwölf Stück. Daher sieht es so aus, als würde die Potenzpille weniger kosten." Dabei müsse man ja noch Gebühren und Versandkosten dazu rechnen.

Rechtlich gesehen gebe es keine einzige Möglichkeit, gegen die Online-Doktoren vorzugehen. "Klagen wären problematisch. Das Geld ist meistens weg, und man weiß nicht, wo die Anbieter zu Hause sind, denn die sind meistens nicht mehr auffindbar", meinte Vogler. Deswegen: Hände weg von Medikamenten aus dem Internet. "In Österreich gibt es ausgezeichnete professionelle Beratung durch Ärzte und Apotheker und diese Hilfe sollte auch in Anspruch genommen werden", sagte die Expertin. (APA)

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