63 Prozent der Amerikaner für Gentests bei unheilbaren Krankheiten

18. Mai 2001, 11:32
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Wien - Über 88 Prozent der Deutschen, 93 Prozent der Amerikaner und 97 Prozent der Franzosen sprechen sich dafür aus, dass Eltern ihre Kinder auf eine Anfälligkeit für Brustkrebs testen können. Dies ist nur ein Ergebnis einer Befragung an 1.400 Personen in den USA, Deutschland und Frankreich. Der Anteil jener Eltern, die glauben, dass es möglich sein sollte, ihre Kinder auf Krankheiten testen zu lassen, die weder heilbar noch verhinderbar sind, ist in den USA mit rund 63 Prozent doppelt so hoch wie in Deutschland mit 34 Prozent.

"Das heißt jedoch nicht, dass sie diese Tests machen würden", erklärte Dorothy Wertz, Sozialwissenschaftlerin an der Medizinischen Fakultät der University of Massachussetts. "Sie möchten nur das Recht dazu haben". Weitere Ergebnisse zeigen laut Wertz, dass "normale" Menschen und professionelle Genetiker stark unterschiedliche Ansichten über genetische Tests und deren Verwendung haben. So denken 70 Prozent der Amerikanerinnen und 60 Prozent der Französinnen, dass der Arzt einen Vater über genetische Tests informieren sollte, die ergeben könnten, dass er nicht der Vater "seines Kindes" ist. "Mütter argumentieren, dass ein Mann, der über eine Vaterschaft Bescheid wissen will, bereits einen Verdacht hat", so Wertz. Es würde nach Ansicht der Eltern die Sache nicht verschlimmern, ihm das Ergebnis des genetischen Tests mitzuteilen. Diese "Hausverstands-Ansicht" genetischer Test steht in scharfem Kontrast zu den Expertenmeinungen. "Ärzte und Genetiker würden dem Mann niemals solche Ergebnisse geben, da sie genetische Informationen als persönlich ansehen. Laien sehen die Familie als private Einheit", argumentiert Wertz.

Überraschenderweise denken zahlreiche Eltern, dass Schulen und Schulsysteme die Ergebnisse der Gentests ihrer Kinder wissen sollten, wenn diese z.B. eine Tendenz zu asozialem Verhalten zeigen. Genetiker hätten immer betont, dass dies zur Stigmatisierung des Kindes führen würde, sagte die Sozialwissenschaftlerin. "Eltern sind der Meinung, dass es dem Kind hilft, wenn diese Information an Lehrer weitergegeben wird". An der Umfrage waren neben der Medizinischen Fakultät der University of Massachusetts das Institut für Humangenetik der Universität Münster sowie das Institut für Humangenetik und Anthropologie der Uni Freiburg beteiligt.(pte)

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