Buben programmieren, Mädchen shoppen

18. Mai 2001, 11:06
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Grüne ärgern sich über Klischeedenken in Kammerkampagne - Mit Ansichtssache

Im Prinzip ist die Kampagne gut. Auch die Idee mit den Kindern, die sich Kleider von Erwachsenen anziehen, findet Volker Plass sympathisch. Und an der Aussage, dass die Wiener Wirtschaft maßgeblich zur Möglichkeit der Realisierung von (Kinder-)Zukunftsträumen beiträgt, will der Sprecher der "Grünen Wirtschaft" und Grün-Bezirksrat in Meidling nichts aussetzen.

Die Träume aber machen ihm zu schaffen: Drei Sujets sind es, die die Wirtschaftskammer als Imagekampagne vor wenigen Wochen ausgesandt hat. Zwei Mädchen und ein Bub erzählen da, was sie mal machen wollen. Der Mann wird Programmierer, die Damen Modedesignerin respektive Mutter - die nach der Arbeit Kleider kauft.

"Solche Rollenklischees zu perpetuieren ist ein Schuss ins eigene Knie", ärgert sich Plass. Schließlich würden gerade im IT-Bereich Frauen als Hoffnungsträgerinnen dargestellt, "und dann bekommen Kinder wieder Klischees vorgesetzt". Klischees, die nicht nur bei Plass, sondern auch bei (weiblichen) Wirtschaftstreibenden zusehends auf Widerstand stoßen.

Böse Absicht will der grüne Wirtschafter "den meist männlichen Kämmerern" gar nicht unterstellen: "Das ist pure Gedankenlosigkeit - aber schon das zweite Mal." Zuletzt hatte eine barbusig über einen Reifenstapel gebeugte Einkaufsstraßenwerberin den Unmut der Grünen erregt.

In der Wiener Wirtschaftskammer bleibt man gelassen: Die Sujets bauten auf der Glaubwürdigkeit von Kinderwünschen auf und wären "Gefühlsgeschichten. Kinder sagen das in diesem Alter eben so." Der Vorwurf von gefördertem Klischeedenken und Sexismus sei daher "ohne jede Grundlage". (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 5. 2001)

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