Tangentenstau regt Autofahrer auf und an

18. Mai 2001, 21:19
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Clubs fordern erneut den Bau der B301

Wien - Das regt eh niemanden mehr auf. Weil auf der Südosttangente ist jeden Tag Stau. Nur wenn er halt 20 Kilometer lang ist, so wie am Freitag: nach Unfällen beim Laaerbergtunnel und in Inzersdorf. Oder am Donnerstag: Stau mit 30 Kilometern. Da streikt dann die Contenance der Autofahrer, die mittendrin stehen.

Der ÖAMTC hat prompt errechnet, was das alles kostet: 15 Millionen Schilling für einen einzigen Stautag: für mehr Benzin, Zeitverlust und höhere Handyrechnungen. Weil im Stau mehr telefoniert wird.

Aber kein Verlierer ohne Gewinner: Die Mineralölwirtschaft beklagt sich nicht, wenn das Auto im Stau mehr Benzin frisst.

Den Autofahrerklubs fällt zum Stauthema in Wien derzeit immer das gleiche ein: Sie fordern den Bau der B301, der Umfahrungsstraße von Vösendorf nach Schwechat. Die steigende Zahl der Autos verdeutliche, dass die " verlangte Mobilität" der Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln alleine nicht zu bewältigen sei, so der Schluss des ARBÖ. Die Forderung: mehr Straßen. Und: "der Lkw muss mehr beitragen". Also Maut zahlen. Die soll für Erhaltung und Ausbau des Straßennetzes verwendet werden, und nicht zur "Quersubventionierung" des Schwerverkehrs" beitragen.

Aber ob die von den Verkehrsclubs geforderte B301 den erhofften Effekt bringt, ist umstritten. Schließlich soll die B301 den Transitverkehr schon in Schwechat abfangen. Vor allem Lkw sollen die A23 für ihren Weg in den Westen nicht mehr befahren. Die Grünen zweifeln: "Wenn jemand von Kaisermühlen nach St. Marx will, wird er nicht über Schwechat fahren - da braucht er länger." Außerdem würden drei Viertel des Verkehrs in Wien entspringen und enden, so die Grünen. Das heißt: Die B301 hätte mit dem Tangentenstau nichts zu tun. Nur ein Bruchteil des Schwerverkehrs würde auf die neue Umfahrung umgelenkt werden können.

Erst vor einer Woche haben zehn Bürgerinitiativen die Trasse der B301 vor dem Verfassungsgericht beeinsprucht.

Mit einem stärkeren Verkehrsaufkommen rechnet der ÖAMTC am kommenden Mittwoch vor Christi Himmelfahrt: "Das verlängerte Wochenende eignet sich für Kurzreisen." Und auch für den nächsten Stau. (aw/DER STANDARD, Print- Ausgabe, 19./20. 5. 2001)

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