Hotelrechnungen teiweise bereits in Euro

18. Mai 2001, 10:23
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Bristol-Chef: Haben Vorreiterrolle - Euro-Preiswächter uneins über Gastro-Quittungen

Wien - Gäste des Nobelhotels Bristol an der Wiener Ringstraße staunten nicht schlecht, als sie ihre Drinks an der Hotelbar in Euro - mit umgerechneter ungerader Schilling-Summe - verrechnet bekamen. Des Rätsels Lösung: Das Hotel fakturiert bereits seit Anfang März in Euro. Die durch die zulässigen kaufmännischen Rundungen und Umrechnungen entstehenden Groschen-Beträge, die sich etwa bei Gin-Tonic, Cola oder Melange ergeben, sind allerdings nicht zu bezahlen, "weil der Euro ja noch nicht existiert", so Hoteldirektor Raimund Jeschek-Fritsch auf APA-Anfrage. Ähnlich geht auch das Wiener Hotel Marriott vor.

Eine Melange um 2,91 Euro findet sich zwar umgerechnet mit 40,04 S auf der Rechnung wieder, zu bezahlen sind im Marriott-Cafe jedoch bis zur Euro-Bargeld-Einführung Anfang 2002 nur 40 S. Ähnlich ist es bei drei Gin Tonic an der Bristol-Bar um je 10,54 Euro, die zusammen 31,62 Euro oder 435,10 S kosten. Auch dafür sind vorerst "nur" 435 S zu bezahlen.

Hotels mit "gewissen Vorreiterrolle"

Im Biedermeier-Hotel Dorint in Wien Landstraße stellt man Anfang Juni auf die im Hotelwesen bereits übliche Euro-Fakturierung um. Bristol-Chef Jeschek-Fritsch sieht die Hotels in einer "gewissen Vorreiterrolle". Neben dem Bristol fakturieren auch die übrigen Hotels der Ciga-Gruppe in Österreich - das Hotel Imperial in Wien sowie "Goldener Hirsch" bzw. "Sheraton" in Salzburg - bereits in Euro. Um die Gäste zu informieren, liegen im Hotel Flugblätter auf. Der Sinn der Aktion sei, Gäste und Mitarbeiter rasch an die neue Währung und die neuen Relationen zu gewöhnen, so der Hotel-Manager. Gleichzeitig werde damit verhindert, dass die Hotelsoftware zweimal - ab Oktober 2001 auf doppelte Preise, ab März 2002 auf reine Europreise - umgestellt werden müsse.

Die Euro-Preiswächter sind uneins über diese Vorgangsweise. Nach den Buchstaben des Euro-Währungsangabengesetzes (EWAG) müssen - ab 1. Oktober 2001 - alle Positionen auf einer Rechnung sowohl in Schilling als auch in Euro ausgewiesen werden. Erleichterungen gibt es unter anderem für Kleinunternehmen (bis maximal 9 Mitarbeiter) und bei Kassenbons von Registrierkassen: Sie müssen nur die Endsumme und das Wechselgeld in beiden Währungen angeben. Was gegenwärtig, bis zum Start der sogenannten doppelten Preisauszeichnungsphase von Oktober 2001 bis Ende Februar 2002, auf den Rechnungen steht, ist weniger streng geregelt. Wichtig sei nur, dass sie in der "Vertragswährung" ausgestellt ist.

Interpretationen des Kassabons

Ab 1. Oktober kommt es in Gastronomiebetrieben nun darauf an, ob es sich bei den Ausdrucken aus den Kassensystemen um Kassenbons handelt oder nicht. An der Interpretation dieses Begriffs scheiden sich jetzt noch die Geister.

Die Experten im Euro-Center der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) plädieren für eine enge Auslegung: "Nur wenn man zum Zahlen hingeht, handelt es sich um eine Kasse und einen Kassenbon", meint Heinz Kogler von der WKÖ. Die Preiswächter im Wirtschaftsministerium interpretieren dagegen lockerer: nicht nur die Ausdrucke an Registrierkassen in Supermärkten sind Kassenbons, sondern auch typische Gastronomierechnungen.

Sollte sich die enge "Bon-Auslegung" der WKÖ durchsetzen, würden den Luxushotels ab Oktober Strafen von bis zu 20.000 S drohen. Auch die angekündigten neuen Speisekarten etwa im Bristol-Hotel, auf denen links der Euro und rechts daneben der Schilling-Betrag ausgewiesen werden soll, würden dem EWAG widersprechen. Dieses schreibt nämlich explizit vor, das zumindest bis Ende Februar 2002 der Platzierung des Schilling-Preises der Vorrang gegeben werden muss: Der Schilling muss bei allen Preisangaben links bzw. oben, der Euro rechts bzw darunter stehen.

"Das Gesetz ist sehr unglücklich", meint Kogler, Euro-Experte in der WKÖ. Neben Österreich hätten nur Griechenland und Portugal die die doppelte Preisauszeichnung gesetzlich festgeschrieben. In keinem anderen Land aber in so exzessiver Form wie hier", kritisiert Kogler. (APA)

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