Laser statt Bohrer

18. Mai 2001, 08:53
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Zahnärze-Kongress in Wien beschäftigt sich mit der Zukunft der Zahnheilkunde

Wien - Durchaus ein "Licht"-Blick für Zahnpatienten: Der gefürchtete Bohrer wird in wichtigen Teilbereichen der Zahnmedizin immer öfter durch Laser ersetzt. Frei liegende Zahnhälse können binnen weniger Minuten dauerhaft schmerzfrei gemacht werden. Laser, die gebündelte Lichtenergie, hat gegenüber konventionellen Behandlungen viele Vorteile. Die neuesten Entwicklungen auf diesem Sektor werden beim 1. Kongress der Europäischen Gesellschaft für orale Laserapplikation ESOLA präsentiert, der vom 17. bis 20. Mai in der Wiener Hofburg stattfindet.

"Zu dem Kongress kommen rund 400 Teilnehmer. Wir beschäftigen uns an der Universitäts-Zahnklinik schon seit neun Jahren mit der Verwendung von Laser. Bei der Behandlung von Kariesschäden sind die Geräte mittlerweile fast schon so schnell wie die herkömmlichen Bohrer. Die Behandlung ist schmerzfreier und auch ohne Vibrationen", erklärte Tagungspräsident Univ.-Prof. Dr. Andreas Moritz von der Wiener Klinik.

Forschungsschwerpunkte

Dazu auch der Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Univ.-DDr. Georg Watzek, in einer Aussendung aus Anlass des Kongresses: "Die Laserbehandlung ist neben der Implantologie, der Kieferorthopädie und der Analyse von Auswirkungen parodontaler Schäden auf den Gesamtorganismus einer der Schwerpunkte unserer Forschung, bei der wir besonderen Wert auf Kooperation mit allen Fachbereichen der Medizin und mit den niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten legen."

Revolutionierend, was das Laserlicht auf diesem Gebiet der Medizin sonst noch zu Stande bringt - und was den Patienten Ängste nehmen kann. Moritz: "Die Lasertherapie bringt schon jetzt bei Wurzelbehandlungen sowie bei der Beseitigung von Karies und der Versiegelung von frei liegenden Zahnhälsen beachtliche Erfolge. Entscheidende Fortschritte sind auch bei der Implantation von Zähnen, in der ästhetischen Zahnmedizin sowie bei chirurgischen Eingriffen im Mundbereich zu erwarten."

Lichtbündel sind Spülflüssigkeiten überlegen

Die "Wurzelbehandlung" ist nötig, um Keime und Bakterien abzutöten, die durch Karies oder parodontöse Zahntaschen in den Nervenkanal eingedrungen sind, Schmerzen verursachen und zum Zahnverlust führen können. Moritz: "Mit Dioden- und Nd:YAG-Lasern werden schädliche Bakterien und Keime beseitigt, die mit desinfizierenden Spülungen nicht erfasst werden können." Weil sie auch in die feinsten Kanälchen des Zahnes vordringen, sind die energiereichen Lichtbündel den Spülflüssigkeiten überlegen."

Die Konsequenzen: Seit an der Universitäts-Zahnklinik in Wien Laser zur Wurzelbehandlung zum Einsatz kommt, muss man dort kaum mehr betroffene Zähne im Rahmen von "Wurzelspitzenresektionen" reißen. Überempfindliche Zahnhälse müssen ebenfalls nicht mehr sein.

Eine dauerhafte Schmerzfreiheit durch eine Behandlung mit Fluoridgel und Laserstrahlen garantiert ein an der Wiener Klinik entwickeltes Verfahren, welches weltweit für Aufsehen sorgt. Prof. Moritz: "Mit Hilfe des Lasers ist es möglich, die Zahnhälse dauerhaft zu versiegeln. Dies geschieht innerhalb weniger Minuten und ohne Schmerzen. Die mit frei liegenden Zahnhälsen einhergehenden Schmerzen können damit ein für alle Mal beseitigt werden." Die bisher verwendeten Methoden sorgten bloß für einige Monate für Schmerzfreiheit.

Neue Forschungserkenntnisse, die bei der Tagung in Wien präsentiert werden, geben dem Lasereinsatz auch bei Zahn-Implantationen gute Chancen, weil der Laser in der Mundhöhle sterile Bedingungen schafft, die mit herkömmlichen Desinfektionsmethoden nicht erreichbar sind. Damit wird das Risiko von Infektionen bei Implantaten minimiert. Auch in jenen Fällen, in denen es nach der Implantation zum Befall durch Bakterien kommt, ist der Laser rascher und nachhaltiger wirksam als die konventionelle Behandlungsmethode, die hauptsächlich in desinfizierenden Spülungen, Curetagen sowie in Mundhygiene besteht. - Und schließlich kann man auch störende Zahnverfärbungen mit dem Laser behandeln. (APA)

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