Mitsubishi mit größtem Verlust in der Firmengeschichte

18. Mai 2001, 14:45
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Einruch am Heimmarkt - Weltabsatz soll heuer zulegen

Tokio - Der japanische DaimlerChrysler-Partner Mitsubishi Motors Corp (MMC) hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordverlust verzeichnet, will aber im laufenden Jahr schon wieder die Gewinnzone erreichen. Der viertgrößte japanische Autokonzern teilte am Freitag in Tokio mit, der Fehlbetrag nach Steuern habe im Geschäftsjahr zum 31. März 2001 rund 278 Mrd. Yen (2,56 Mrd. Euro/35,2 Mrd. S) betragen und sich damit im Vergleich zum Vorjahr nahezu verzwölffacht. Insbesondere durch einen Einbruch auf dem Heimatmarkt seien die Erlöse um 1,7 Prozent auf 3,28 Bill. Yen (30,2 Mrd. Euro/416 Mrd. S) gesunken.

Hauptgrund für den höchsten Verlust in der Firmengeschichte seien der Einbruch auf dem inländischen Absatzmarkt sowie die kostenintensiven Rückrufaktionen, teilte das Unternehmen ferner mit. Dadurch rutschte Mitsubishi nach eigenen Angaben auch im operativen Geschäft mit rund 73,9 Mrd. Yen in die Verlustzone, obwohl die Lkw- und Bus-Sparte des Konzerns erstmals wieder schwarze Zahlen schrieb. Für den Rekordverlust seien zudem Aufwendungen für Restrukturierungen und Pensionsrückstellungen verantwortlich gewesen.

Weit greifende Rückrufaktionen

Mitsubishi war im Sommer 2000 durch weit greifende Rückrufaktionen in die Schlagzeilen geraten, nachdem zuvor bekannt geworden war, dass der Autobauer über Jahrzehnte hinweg Fahrzeugdefekte verheimlicht hatte. Erst am Donnerstag hatte Mitsubishi eine erneute Rückrufaktion von rund 200.000 Autos in Japan angekündigt, was den Konzern vier Mrd. Yen kostet.

Der Verlust 2000/2001 ist nach früheren Angaben bereits in der eigenen Prognosen des Mitsubishi-Großaktionärs DaimlerChrysler berücksichtigt. Der Stuttgarter Autokonzern, der 37,3 Prozent der Anteile an Mitsubishi hält, hatte angekündigt, für die Sanierungsaufwendungen in der eigenen Bilanz für 2001 einen Einmalaufwand von 400 Mill. Euro (5,504 Mrd. S) berücksichtigt zu haben.

Gewinnschwelle soll im laufenden Jahr erreicht werden

Der seit Jänner amtierende operative Vorstand Rolf Eckrodt kündigte an, durch neue Modelle und massive Kostensenkungen wolle Mitsubishi im laufenden Jahr beim Ergebnis nach Steuern wieder die Gewinnschwelle betreten, der operative Ertrag solle dabei mit 20 Mrd. Yen im Plus liegen. "Kurzfristig gesehen sind Kostensenkungen wahrscheinlich die einzig wichtigen Maßnahmen zum Überleben", sagte Eckrodt vor Journalisten. Zum Teil würden die Einsparungen aus einer Streichung von 5050 Stellen in diesem Jahr resultieren. Mit dem ab April greifenden Restrukturierungsplan will Mitsubishi nach früheren Angaben bis 2003 insgesamt 9.500 Stellen streichen.

Der weltweite Absatz solle in diesem Jahr um 7,3 Prozent auf 1,55 Millionen Fahrzeuge klettern, erwartete das Unternehmen. Jedoch wird bei den Exporten nach Europa eine Halbierung sowie in die USA ein leichter Rückgang erwartet. Analysten sehen die Ertragsaussichten von Mitsubishi noch nicht in trockenen Tüchern. Ob Mitsubishi wieder ausreichend Gewinne erwirtschaften könne, hänge davon ab, ob das Unternehmen die angekündigten Kostensenkungen auch wirklich durchsetzen könne, sagte Masato Ogasawara vom Daiwa Institute of Research. Der Aktienkurs des japanischen Unternehmens ging am Freitag an der Tokioter Börse mit einem Kurs von 395 Yen aus dem Handel, um 0,5 Prozent niedriger als am Vortag. (APA/Reuters)

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