Tierversuchsgegner machen mobil

17. Mai 2001, 21:20
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Anlass: Die EU beabsichtigt, Uralt-Chemikalien auf ihre Gefährlichkeit zu bewerten

Wien - Die EU beabsichtigt, Chemikalien, die schon seit 20 Jahren in Konsum- und Industriegütern verwendet werden, zu registrieren und auf ihre Gefährlichkeit zu bewerten. "Das bedeutet für Tausende Versuchstiere unvorstellbares Leid und den sicheren qualvollen Vergiftungstod in den Testlabors", stellt Gerda Matias, Präsidentin des "Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner" in einer Aussendung fest und kündigte eine Protestkartenaktion an.

Im jüngst erschienen "Weißbuch" habe die Europäische Kommission die "Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik" vorgelegt. Auch "Alt"-Chemikalien sollen überprüft werden, hieß es. Dazu gehören rund 100.106 Stoffe, die im September 1981 bereits im Umlauf waren. Nach Schätzungen würden noch 30.000 dieser Stoffe in Mengen von mehr als einer Tonne jährlich in Verkehr gebracht.

Im Strategiepapier wurden die vorrangige Anwendung von Methoden ohne Tierversuche und die Förderung der Entwicklung neuer Prüfmethoden ohne Versuchstiere eigens hervorgehoben. "Aber leider handelt es sich hier nur um halbherzige Vorschläge", stellte Matias klar. Denn tatsächlich erfolge die Prüfung der Gefährlichkeit eines Stoffes nach den Prüfmethoden der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die zu einem ganz großen Teil auf Tierversuche basieren, so die Tierschützerin. Besonders häufig wären die sehr belastenden Toxizitätstests vorgeschrieben.

Diese Tests wären nicht nur auf Grund ihrer Unwissenschaftlichkeit, sondern vor allem auch wegen der enormen Belastung für die Tiere heftig umstritten. Weiters kritisierten die Tierversuchsgegner, dass im Strategiepapier die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus dem Labor auf den Menschen und die Umwelt nicht hinterfragt wurde. Tierversuche könnten nichts zur Risikoabschätzung beitragen und somit auch keinen ausreichenden Schutz für die Gesundheit des Menschen und der Umwelt darstellen.

Die Tierversuchsgegner haben deshalb die Protestkartenaktion gestartet und fordern die Kommission auf, bei den Tests der Altchemikalien zum Schutze der Gesundheit des Menschen und der Umwelt auf Tierversuche völlig zu verzichten. Dafür sollten alle Daten und Informationen verwertet und alle vorhandenen tierversuchsfreien Verfahren und Methoden kombiniert eingesetzt werden. (APA)

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