Am Fuß des Berges - von Johannes Steiner

17. Mai 2001, 21:17
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Es war eine seltsame Koinzidenz, dass just an dem Tag, an dem der Forschungsrat die Startfreigabe für neue Technologieprogramme wieder einmal vertagte, die Statistik Österreich ihre jährliche Schätzung der Forschungsausgaben veröffentlichte. 54 Milliarden Schilling werden demnach heuer in Österreich in Forschung und Entwicklung fließen, was, in Relation zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt, einer Forschungsquote von 1,83 Prozent entspricht. Damit wurde der Rückfall des "verlorenen Jahres" 2000 zwar wettgemacht und das Niveau von 1999 wieder erreicht, die Mühen des steilen Aufstiegs zum Regierungsziel von 2,5 Prozent im Jahr 2005 sind damit aber noch nicht einmal in Angriff genommen.

Wie denn auch? Die sieben Milliarden, die die Regierung für eine Technologieoffensive reserviert hat und über deren Vergabe der Forschungsrat entscheidet, sind bestenfalls ein Signal der Aufmerksamkeit. Nimmt man das 2,5-Prozent-Ziel aber ernst, geht es um ganz andere Beträge. Sie sind kein Geheimnis, die Wirtschaftsforscher haben bis 2005 einen Zusatzbedarf von gut 70 Milliarden Schilling errechnet.

Mit diesen Zahlen muss sich die Regierung konfrontieren, will sie glaubwürdig von Forschungs- und Technologiepolitik reden. Gelegenheit dazu hat sie beim Reformdialog in der kommenden Woche. Der Forschungsrat jedenfalls will ihr dabei eine klare Verpflichtung abverlangen. Dass er weitere Mittelzuweisungen an neue Programme zurückhält, um damit den Druck auf die Regierung zu erhöhen, wäre auch die einzig akzeptable Rechtfertigung für die Verunsicherung in der heimischen Technologieszene, die er mit dieser - wenig konsistent kommunizierten - Entscheidung ausgelöst hat. Sonst käme der Forschungsrat noch in den Verdacht einer gewissen Ratlosigkeit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 5. 2001)

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