Kritik an Uni-Auftritt eines "Geschichtsfälschers"

17. Mai 2001, 20:45
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Viktor Suworow hängt der Präventivschlagsthese über Hitlers Eroberungszüge im Osten nach

Salzburg - Heftige Kritik an einem für Montag geplanten Vortrag des russischen Autors Viktor Suworow übt der Bildungssprecher der SPÖ Salzburg, LAbg. David Brenner: Es gehe nicht an, dass ein Aushängeschild der Präventivschlagsthese an die Universität Salzburg eingeladen werde. Konservativ-rechtsextreme Geschichtsmythen dürften an der Universität keinen Platz haben, verlangte Brenner bei einer Pressekonferenz. Veranstaltet wird der Vortrag von einem dem Kameradschaftsbund nahe stehenden "Arbeitskreis für Kultur und objektive Geschichtsschreibung" sowie vom "Verein Salzburger Wehrgeschichtliches Museum".

Der SP-Politiker forderte, dass die Universität die Genehmigung für die Benützung des Hörsaals nachträglich zurückzieht. Außerdem solle sich Landtagspräsident Helmut Schreiner (ÖVP), der in den veranstaltenden Organisationen aktiv mitwirkt, von den Thesen Suworows distanzieren. Eine von der SPÖ ursprünglich geplante Diskussionsveranstaltung mit Historikern und Politikwissenschaftern, die zeitgleich zum Vortrag von Suworow am kommenden Montag abgehalten hätte werden sollen, bekam von der Universität keine Genehmigung, berichtete Brenner. Man habe einen Kontrapunkt zu der geplanten Veranstaltung mit dem "Geschichtsfälscher" setzen wollen. Man könne die Revisionsthesen durchaus diskutieren, meinte Brenner. Ihn stört vor allem, dass bei dem Suworow-Vortrag kein Diskurs möglich sei.

Suworow. ehemaliger KGB-Spion und Russland-Emigrant, gelte als Aushängeschild der Präventivschlagsthese, mit der versucht werde, die Verbrechen des Nationalsozialismus weiß zu waschen. Diese Ansichten würden vorwiegend von rechtsextremen Kreisen rezipiert, meinte Brenner. Dass Hitler einen Präventivkrieg geführt und einem Angriff Stalins zuvor gekommen wäre, sei historisch mehrfach widerlegt. "Wir haben die traurige Ehre, die Österreich-Premiere dieses Revisionisten zu erleben", kritisierte Brenner.

Der Landtagsabgeordnete hält den Auftritt Suworows für demokratie- und bildungspolitisch problematisch. Außerdem sei die Einladung an den Revisionisten schlecht für den Ruf Salzburgs. Univ.-Prof. Albert Lichtblau vom Institut für Geschichte an der Universität Salzburg distanzierte sich von dem Vortrag. Es gebe kein Einverständnis des Institutsvorstands für diese Veranstaltung. "Ich finde, dass eine Schamgrenze überschritten wurde", meinte er zu der Einladung an Suworow.

"Freiheit von Kunst und Wissenschaft sind verfassungsmäßig Grundsätze. Diese Freiheit sollte vor allem auf akademischem Boden gewahrt bleiben", reagierte Ernst Wachalovsky für den "Arbeitskreis für Kultur und objektive Geschichtsforschung". Man lehne "ideologisches Rabaukentum" ab.(APA)

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