Selbstbewusst unter dem Regenbogen - Europride

25. Mai 2001, 20:30
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Wien - Es wird wärmer. Nicht weil das ORF-Radio den Donnerstag bereits uneingeschränkt als den "heißesten Tag des Jahres" bezeichnete. Eher weil Connie Lichtenegger und Veit Georg Schmidt am Vormittag eine regenbogenbunte Fahne auf einen Kaffeehaustisch legten und dann proklamierten, was die lesbische und schwule Community Wiens schon seit Monaten in Hektik versetzt: Im Juni ist Wien Nabel der europäischen Homosexuellenszene.

"Europride" nennt sich das alljährlich in einer anderen Metropole ausgetragene Festival lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen Selbstbewusstseins. Nach Kopenhagen, Berlin, Stockholm und - vergangenes Jahr - Rom ist heuer Wien an der Reihe. Den ganzen Juni über, so erklärten die Präsidentin und der Präsident des Vereines "Christopher Street Day", werden tägliche Veranstaltungen - unter anderem die Festivalreihe "Wien ist andersrum" - insgesamt rund 500.000 BesucherInnen anlocken. Nicht verschämt und versteckt, sondern stolz und öffentlich sichtbar.

Am ersten Tag wird deshalb am Donauturm eine 60 Meter lange Regenbogenfahne gehisst. Auch die Straßenbahnen werden regenbogenfarbig beflaggt. Höhepunkt - und Abschluss - des Festivals wird am 30. Juni die traditionelle Regenbogenparade auf der Ringstraße - samt opulenter "Barockparty" im Museumsquartier - sein. Allein bei der Parade erwarten Schmidt und Lichtenegger - Schönwetter vorausgesetzt - über 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein "deutliches und positives Signal für Wien als tolerante und offene Stadt", wie der stellvertretende Direktor des Wiener Tourismusverbandes, Karl Kraus, betonte.

"Öffentlichkeit bringt Freiheit", postulierte Schmidt. Und Freiheit sei ein Zustand, in dem Diskriminierung keinen Platz hat. Während Wiens Bürgermeister Michael Häupl sich im "Europride Guide" darüber freut, für Parade und Festival den Ehrenschutz zu übernehmen, habe man von Bundesseite erklärt bekommen, "dass ein homosexuelles Festival eo ipso keine Kultur sein kann", erzählte Schmidt von den Kontakten mit Franz Moraks Kulturabteilung im Bundeskanzleramt.

Kunsthallenchef Gerald Matt, dessen Haus einen Paradenwagen stellt und die Abschlussparty beheimatet, fand dies "im Zeichen der Geburt eines neuen Fundamentalismus" bezeichnend: Die Regenbogenfahne, so Matt, werde sich im Museumsquartier sehr gut machen. (rott, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 18.5.2001)

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