Unsicherheit bei Creutzfeldt-Jakob: 99 Opfer haben eine bestimmte Gen-Variante

17. Mai 2001, 19:51
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Studie prophezeit Erkrankung von 300 Menschen

Paris/Warschau - Creutzfeldt-Jakob (CJD), die mensch- liche Form des Rinderwahnsinns, könnte in Frankreich in den kommenden 60 Jahren im ärgsten Fall 300 Menschen betreffen. Zu diesem Schluss kam ein Untersuchungsausschuss im Pariser Senat, der sich mit gesundheitsschädlichen Folgen von tiermehlhaltigem Rinderfutter befasst hat. Wie der Ausschuss am Donnerstag bekannt gab, stellen die vielen Futtermittelimporte aus Großbritannien von 1988 bis 1990 die größte Ansteckungsgefahr dar.

99 britische Opfer hatten eine bestimmte Gen-Variante

Als Basis seiner Berechnungen zog der Ausschuss die englischen Daten zu Infektionsrisiko bei BSE und der bei Menschen tödlich verlaufenden Gehirnerkrankung Creutzfeldt-Jakob heran. Bei der Prognose wurde der längstmöglichen Inkubationszeit Rechnung getragen. Wie berichtet, hatten zwei Tage davor britische Forscher vor einer zweiten und größeren Creutzfeldt-Jakob-Welle gewarnt. Die bisher 99 britischen Opfer hatten eines gemeinsam, eine Variante eines bestimmten Gens.

Träger dieses Gens gefährdet

Deshalb ging man bisher davon aus, dass auch nur die Träger dieses Gens gefährdet sind. Nun fürchtet man aber, dass andere Genvarianten den Krankheitsausbruch nur verzögern.

Der Senatsausschuss in Paris betonte nun, dass wegen der in Frankreich ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen Rindfleischkonsum derzeit überhaupt kein Risiko darstelle. Was die Verbreitung der Rinderseuche in Europa anlangt, so trage Großbritannien durch die Ausfuhr des Tiermehls die Hauptschuld daran. Die Europäische Kommission habe die Verbreitung der Krankheit "durch ihre Untätigkeit erleichtert".

Von einer illegalen Einfuhr britischen Tierfutters hat der Senatsausschuss, der 60 Experten beschäftigte, laut eigenen Angaben keine Spur gefunden.

Walesas Fleischangst

Aus Polen ließ inzwischen der frühere Präsident und einst unerschrockene Kämpfer gegen die kommunistischen Herrscher in seinem Land, Lech Walesa, wissen, er habe aus Furcht vor der Rinderkrankheit BSE und der Maul- und Klauenseuche (MKS) seine Ernährungsgewohnheit umgestellt. "Ich bin jetzt Vegetarier", sagte Walesa am Donnerstag einem polnischen Rundfunksender.

Die Menschen hätten in Bezug auf Fleisch viele Befürchtungen, sagte Walesa, "Gemüse stellt dagegen nirgendwo in der Welt ein Risiko dar".

Einst war der schnauzbärtige Begründer der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc für seine Vorliebe für die traditionelle polnische Küche bekannt, die sich vor allem durch viele deftige Schweinefleischgerichte auszeichnet. (APA)

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