Kontrapunkt-Festival mit großen Namen

17. Mai 2001, 19:29
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Pfingsten-Barock lädt auch zu Clubbing

Salzburg - Die Alte Musik boomt, und die Konzertmanager stehen vor einem - nicht unerfreulichen - Rätsel. Im Konzerthaus etwa ist der Resonanzen-Zyklus so beliebt, dass er noch vor Bekanntgabe des genauen Programms ausverkauft ist.

Hans Landesmann, künstlerischer Leiter der Salzburger Pfingstfestspiele, versucht eine Erklärung: "Die Vermittlung ist nicht mehr so abgehoben wie früher, als ein Dirigent eine unerreichbare Autorität war. Die Szene ist demokratischer, sie spricht die Leute direkt an. Auch das Angebot ist viel breiter geworden. Es geht die Saat auf, die Nikolaus Harnoncourt und Gustav Leonhardt gestreut haben."

Auch in Salzburg. Für das Barock-Festival erwartet er eine Auslastung "zwischen 80 und 85 Prozent" und verweist auf ein Publikum, das "die romantische Soße nicht mehr so oft hören will. Es will nicht überfüttert werden."

Bunter Händel-Reigen

Dafür hat Landesmann eine Menüfolge vorbereitet, die mit den großen Namen der Szene gespickt ist und G. F. Händel als Hauptgang serviert. Sir John Eliot Gardiner macht mit dessen monumentalem Israel in Egypt den Beginn (1. 6.). Andere Händel-Lesarten bieten Ton Koopman mit La Resurrezione (3. 6.) in italienischer Originalsprache und Marc Minkowski (4. 6.), dessen Einspielung der Ariodante wesentlich zu seinem superben Ruf als faszinierend-befeuernder Dirigent beigetragen hat. Mit der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter wird in Salzburg der Star dieser Aufnahme wieder in der Titelpartie zu hören sein.

Damit ist mit klingenden Namen aber noch lange nicht Schluss. Jordi Savall wird sich mit Le Concert des Nations Joseph Haydns Die sieben letzten Worte (in der Originalfassung) annehmen (2. 6.). Il Giardino Armonico und Accordone (beide am 2. 6.) sind ebenso angesagt wie Cecilia Bartoli, die am 3. 6. Vivaldi-Arien intonieren wird. Die Pfarrkirche Mülln als neuen Spielort weihen Salzburger Musiker (u. a. mit H. I. F. Biber) ein (4. 6.).

Experimentelles Neuland betritt man am 2. Juni im altehrwürdigen Karl-Böhm-Saal (Dancefloor) und in der Felsenreitschule (Chill-out-Bereich). Clubbing heißt das Zauberwort! Ab 21.00 wird dort Accordone mit dem Sänger Marco Beasley - angeblich der "Eros Ramazotti der Barockmusik" - aufspielen. Bernhard Trebuch wurde als Barock-DJ engagiert. Das Festival, das neben Lufthansa mit dem bayerischen Klassik-Radio einen neuen Sponsor hat, wird somit in die Morgenstunden verlagert.
(ws/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 5. 2001)

1. bis 4. 6.,
Pfingsten Barock.
Karten:
(0662) 80 45-579
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