Schärfere Waffen gegen Insider

17. Mai 2001, 18:46
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Wertpapieraufsicht stellt neue Verordnung vor - "Meldepflicht" für Manager

Wien - Die Bundeswertpapieraufsicht (BWA) wird mit Jahreswechsel eine Verordnung erlassen, die alle börsenotierten Unternehmen verpflichtet, Vertrauchlichkeitsbereiche für kursrelevante Informationen zu schaffen. Empfänger von Insiderinformationen haben sich dann schriftlich zur Geheimhaltung zu verpflichten. Der Weg der Informationen muss dann ebenfalls schriftlich nachvollzogen werden können. Die BWA kann dann bei Untersuchungen in die Protokolle Einsicht nehmen. Größere Unternehmen sollen eigene "Compliance"-Verantwortliche einsetzen. Für die Personen in den Vertraulichkeitsbereichen werden ausgeweitete Handelsverbote beschlossen. Das gab BWA-Chef Thomas Goldmann bekannt.

Nicht gefragt

Bereits seit 1. Mai gilt zusätzlich für Vorstände, Aufsichtsräte und leitende Angestellte von börsenotierten Unternehmen in Österreich die Pflicht, Transaktionen mit Aktien des eigenen Unternehmens binnen sieben Tagen zu melden. Im Gegensatz zu internationalen Gepflogenheiten werden diese Meldungen allerdings nicht veröffentlicht. Damit ist Goldmann nicht glücklich: "Auch für die Investoren sind diese Informationen doch interessant. Aber das Parlament hat das Gesetz beschlossen, ohne uns zu fragen." Auch die Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen und von Bestrafungen wäre wünschenswert. Zu der Diskussion um die vom Finanzminister geplante Allfinanzaufsicht für Börse, Banken und Versicherungen meinte Goldmann, die Überlegungen gingen in die richtige Richtung. Ganz wesentlich sei aber die Weisungsfreiheit der neuen Behörde.

Zu Kritik aus Bankenkreisen, die BWA sei ein Beispiel für eine teure und relativ ineffiziente Behörde, führte Goldmann Bilanzzahlen an. Diesen zufolge arbeitet die BWA mit einem Personalaufwand von 725.000 pro Mitarbeiter und Jahr deutlich günstiger als etwa die Nationalbank oder die Bankenaufsicht, meint Goldmann. (mimo, DER STANDARD, Printausgabe 18.5.2001)

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