Frühjahrsputz in der OMV

17. Mai 2001, 18:35
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Aufsichtsrat Haiden unterschreibt Verzichtserklärung nicht

Wien - Mit der Neubesetzung des OMV-Aufsichtsrates setzt die ÖIAG ihre Strategie fort, staatsnahe Unternehmen schwarz-blau einzufärben. Beschlossen werden soll die Personalrochade auf der Hauptversammlung des Erdölkonzerns am kommenden Mittwoch. Die fünf roten Aufsichtsräte haben bereits den blauen Brief bekommen.

Der Exchef der Bank Austria und jetzige Vizepräsident der Wirtschaftskammer, René Alfons Haiden, wird seiner Abberufung wie Beppo Mauhart bei der AUA nicht zustimmen. Dieses Njet ist aber mehr symbolisch, gegen eine Abwahl durch die Mehrheit hätte er nämlich ohnedies keine Chance. "Ich habe eine Verzichtserklärung erhalten, die werde ich aber nicht unterschreiben", sagte Haiden zum STANDARD. Was ihn besonders stört: In Gesprächen mit der ÖIAG sei eine "Zwangsabrüstung" stets ausgeschlossen worden. Haiden, dessen Mandat noch bis zum Jahr 2004 läuft, wollte sich im Jahr 2003 freiwillig aus dem Kontrollorgan zurückziehen.

Vorstandsfragen

Ob der designierte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer, der der SPÖ zugerechnet wird, Konzernchef wird, sei nicht fix, glaubt Haiden. Eine rechtliche Kontinuität sei in der ÖIAG nämlich nicht mehr gefragt. Andere Insider meinen dagegen, dass die Regierung Ruttenstorfer keine Steine in den Weg legen wird. Er habe zwar die "falsche Farbe", sei aber fachlich versiert und Wunschkandidat des OMV-Großaktionärs IPIC aus Abu Dhabi.

Kritik übt der Exbanker auch daran, dass die Umfärbung ohne Rücksicht auf die Kleinaktionäre (45 Prozent) durchgezogen werden soll. Die OMV-Mehrheit halten ÖIAG (35 Prozent) und IPIC (knapp 20 Prozent), die ihre Aktien syndiziert haben.

Richard Leutner vom ÖGB wollte zu den geplanten Veränderungen im Aufsichtsrat keine Stellungnahme abgeben. Er habe OMV-Aufsichtsratschef Oskar Grünwald Stillschweigen versprochen, lautet seine Begründung. Eine Verzichtserklärung dürfte auch ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler erhalten haben. Er ist derzeit auf Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Als fix gilt auch, dass Rudolf Streicher dem neuen OMV-Aufsichtsrat nicht mehr angehören wird. Insider erwarten, dass der designierte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis einziehen wird. Für den langjährigen Aufsichtsratspräsidenten Oskar Grünwald wird es vermutlich die letzte OMV-Hauptversammlung sein, zumindest als Präsident. Grünwald wird im Juli 64 Jahre alt. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 18.5.2001)

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