Benzinpreis: Viel Lärm um nichts

18. Mai 2001, 18:54
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Senkungen und Erhöhungen halten sich die Waage

Wien - Der ÖAMTC sieht die jüngste Anhebung der Spritpreise gelassen, weil diese hauptsächlich nur von jenen Stationen durchgeführt wurde, die derzeit unter den bei den Multis geltenden Höchstpreisen liegen. Einige Markenstationen haben laut Erhebung des Autofahrerklubs die Preise gesenkt, während einige Diskonter an der Preisschraube gedreht haben. Senkungen und Erhöhungen würden sich unterm Strich die Waage halten.

"Die gegenwärtige Entwicklung spiegelt eine eigentlich wünschenswerte Preisbewegung auf einem freien Markt wider", sagt ÖAMTC-Verkehrsexpertin Elisabeth Brugger-Brandau. Ein Auf und Ab bei den Preisen sei täglich feststellbar. "Es ist nie so, dass die Spritpreise über eine Woche lang gleich bleiben. Problematisch wird es nur, wenn die Höchstpreise erhöht werden, weil das auf das gesamte Preisniveau durchschlägt", sagte Brugger-Brandau zum STANDARD.

Trichter und . . .

Shell Austria hat bei rund der Hälfte der rund 200 Stationen in Österreich die Preise angehoben, besonders in den Preistrichtern, sprich jenen Regionen, in denen die Stationsdichte sehr hoch ist und zahlreiche Diskonter präsent sind. Grund dafür sei die extreme Kostenunterdeckung dieser Outlets, sagte Shell-Austria-Tankstellenchef Wilhelm Weiss. Er konstatiert einen dramatischen Nachzugsbedarf bei den Preisen innerhalb der vergangenen eineinhalb Wochen, den Shell ohnehin nicht durch eine Erhöhung der Normpreise weitergegeben habe. In der Nacht zum Freitag haben OMV und BP bei einem Teil ihrer Tankstellen die Preise zwischen zwölf und 30 Groschen angehoben, die Höchstpreise aber nicht verändert.
Sowohl ÖAMTC als auch der Arbö berichteten am Freitag wieder über zahlreiche empörte Anrufe. Die Autofahrer seien verärgert und hätten kein Verständnis für die neuerliche Preiserhöhung und die konsumentenunfreundliche Preispolitik der heimischen Ölbranche. Am achten Mai hatten die Unternehmen zum achten Mal in diesem Jahr die Höchstpreise erhöht.

. . . Scheren

Allerdings hängt die Betroffenheit der Autofahrer davon ab, ob ihr Fahrzeug Benzin oder Diesel schluckt. So sind die Dieselpreise seit Jahresbeginn um rund zwei Prozent gesunken, während sich Superbenzin im selben Zeitraum um mehr als acht Prozent verteuerte. Damit ist die Preisschere zwischen den beiden Treibstoffsorten von 2,4 Schilling Anfang Jänner auf jetzt fast vier Schilling aufgegangen. Rund 40 Prozent der heimischen Pkws fahren mit Diesel. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 19.5.2001)

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