Berlusconi unterstreicht Bedeutung der bilateralen Beziehungen zu Deutschland

17. Mai 2001, 22:42
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Stoiber rügt Kanzler Schröder

Berlin - Der designierte italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat am Donnerstag den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder angerufen. Dabei wurde die Bedeutung der Beziehungen zwischen beiden Ländern betont, wurde in Berlin offiziell mitgeteilt.

Berlusconi habe den Kanzler über die weitere Regierungsbildung informiert. Schröder habe seine Hoffnung ausgesprochen, "dass Italien weiterhin ein konstruktiver und engagierter europäischer Partner bleiben werde". Insbesondere in diesem Bereich wolle man auf der traditionell engen bilateralen Zusammenarbeit aufbauen.

Schröder hatte am Montag sehr zurückhaltend auf das Ergebnis der Wahl in Italien reagiert, das die deutsche Regierung zur Kenntnis nehme. In einer knappen schriftlichen Erklärung teilte Schröder mit, Berlin respektiere die Entscheidung des italienischen Volks.

Wegen der Beteiligung von Rechts-Populisten an Berlusconis Bündnis wurde das Wahl-Resultat in der rot-grünen deutschen Regierungskoalition sehr zurückhaltend aufgenommen.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) kritisierte unterdessen Schröder für dessen Verhalten gegenüber dem italienischen Wahlsieger. Schröders verhaltene Reaktion auf den Sieg des Konservativen sei kein guter Stil, sagte Stoiber der "Westdeutschen Zeitung" (Düsseldorf/Freitag). Er warf dem Kanzler und SPD-Chef vor, seine Gunst nach politischer Nähe zu sortieren. "Das ist kein Ausdruck von Souveränität."

In Rom war am Mittwoch darauf hingewiesen worden, dass besonders Schröder auf den Wahlsieg Berlusconis kühl reagiert habe. Schröder hatte das Wahlergebnis in Italien lediglich "zur Kenntnis genommen", aber nicht gratuliert.

Der Kanzler hatte das zurückgewiesen. Er habe sich an die diplomatischen Gepflogenheiten gehalten. Berlusconi sei noch nicht Ministerpräsident. Sobald dies der Fall sei, werde er gratulieren. Glückwünsche vor der Wahl seien nur unter Parteien üblich, die einander nahe stünden. "Das ist bei Herrn Berlusconi nun wahrlich nicht der Fall." (APA/dpa)

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