Israel experimentiert mit neuem Impfstoff gegen Anthrax-Kampfstoff

17. Mai 2001, 16:25
Tel Aviv - Israelische Forscher experimentieren mit einem neuen Impfstoff gegen den tödlichen Milzbranderreger, der in biologischen Kampfstoffen steckt. Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete am Donnerstag, in dem streng von der Öffentlichkeit abgeschirmten Biologischen Institut in Nes Ziona bei Tel Aviv sei der Impfstoff gegen Milzbrand (Anthrax) mit "ermutigenden Ergebnissen" an Meerschweinchen getestet worden.

Der gentechnisch hergestellte Stoff habe erheblich weniger Nebenwirkungen als zwei andere, bereits existierende Impfstoffe gegen das Bakterium, zudem könne bereits eine Spritze recht zuverlässig schützen.

Der Milzbrand tritt hauptsächlich bei Huftieren auf. Bei erkrankten Tieren ist die Milz vergrößert und sieht schwarz "verbrannt" aus. Eine Übertragung auf den Menschen ist durch engen Kontakt mit den Tieren oder Tierprodukten möglich.

Mehrere Staaten, darunter vermutlich Russland, Israel, Irak und Syrien, besitzen den für Menschen extrem gefährlichen Milzbranderreger bereits als Waffe, die etwa mit Granaten oder Raketen abgefeuert werden kann. Auch terroristische Anschläge sind in Zukunft denkbar. Experten gehen davon aus, dass die Verstreuung von Anthrax über einer Großstadt etwa drei Millionen Menschen töten könnte. Die schottische Insel Guida, auf der die Briten im Zweiten Weltkrieg Versuche mit Anthrax ausführten, ist mit dem Erreger noch heute so verseucht, dass das Betreten der Insel lebensgefährlich und strikt verboten ist.

Ein Forscherteam unter Leitung von Avigdor Shafferman, Leiter des Instituts in Nes Ziona, arbeitete laut "Haaretz" mit einer weniger aggressiven Art des Bakteriums. Sie implantierten ihm ein Gen, das die Produktion von Antikörpern anregt. Bei den Meerschweinchen- Versuchen starben Tiere, die nicht mit dem "MASC-10" genannten Stoff geimpft waren, innerhalb von drei Tagen. Alle geimpften Meerschweinchen überlebten hingegen die Infektion.

Die Untersuchung wurde auch in der jüngsten Ausgabe der US-Fachzeitschrift "Infection and Immunity" veröffentlicht. (APA/dpa)

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