Schwere Vorwürfe gegen guatemaltekischen Geheimdienst

17. Mai 2001, 14:53
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Bischof Gerardi und Rigoberta Menchu wurden systematisch ausspioniert

Guatemala - Der 1998 ermordete guatemaltekische Bischof Juan Gerardi ist offenbar vor seinem Tod systematisch von Geheimdienst und Militär überwacht worden. Er selbst habe Kassetten mit abgehörten Telefongesprächen und Berichte mit persönlichen Informationen über den Bischof in der Hand gehabt, berichtete das ehemalige Mitglied des Geheimdienstes, Oscar Chex, laut Kathpress bei dem laufenden Gerichtsverfahren in der Hauptstadt Guatemala.

Auch Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu, Erzbischof Prospero Penados del Barrio sowie hohe Gewerkschaftsführer seien kontrolliert worden, sage der derzeit aus Sicherheitsgründen im Exil lebende Chex. In dem am 23. März begonnenen Prozess hatte zuvor bereits ein Zeuge ausgesagt, dass das Militär den Bischof schon vor 18 Jahren töten wollte.

Gerardi, der Leiter der katholischen Menschenrechtsarbeit, war im April 1998 erschlagen worden - zwei Tage nach Veröffentlichung eines kirchlichen Berichts über die Verbrechen der Militärdiktatur während des 36 Jahre dauernden Bürgerkriegs. In dem Bericht wird das Militär beschuldigt, für 150.000 Morde und 50.000 Fälle von verschwundenen Personen verantwortlich zu sein. Auf der Anklagebank sitzen der ehemalige Chef des Geheimdienstes, Oberst Disrael Lima Estrada, dessen Sohn Byron Lima Oliva sowie Obdulio Villanueva, Mitglied der Präsidentengarde. Auch der ehemalige Sekretär Gerardis, der Priester Mario Orantes, sowie die Köchin des Bischofs, Margarita Lopez, werden der Mittäterschaft beschuldigt. (APA)

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