Eisschichten am Nordpol als Medium für Funkübertragung

17. Mai 2001, 14:47
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Struktur wirkt wie ein Wellenleiter

Newport - US-Forscher des Naval Undersea Warfare Center in Newport wollen die meterdicken Eisschichten am Nordpol als Medium für Funkübertragung nutzen. Dabei wirken die salzarmen oberen Eislagen als Leiter für die genutzten Radiowellen. Damit können in Zukunft die Störungen, die bei der Funkübertragung über die Atmosphäre häufig auftreten, vermieden werden, berichtet das Magazin "New Scientist".

"Die Ionosphäre kann so stark mit Energie geladen sein, dass sie ihre Eigenschaft verliert, Radiowellen zu reflektieren", beschreibt Polarforscher Paul Mileski das derzeitige Kommunikationsproblem. Schon auf einer kurzen Entfernung von nur 80 Kilometern bestehe die Gefahr, dass der Funkkontakt regelmäßig abbreche. Im Eis allerdings können sich die Signale ohne Störungen bis zu sechsmal weiter ausbreiten als in den Luftschichten. Diese sind im Polargebiet dem Einfluss geladener Teilchen ausgesetzt, die auch die Nordlichter verursachen.

"Die elektrischen Eigenschaften der verschiedenen Eisschichten unterscheiden sich stark voneinander. Diese Struktur wirkt wie ein Wellenleiter", so Mileski. Radiowellen im salzärmeren oberen Teil werden von den salzhaltigeren unteren Schichten gut reflektiert und weitergeführt. In einem Test verband Mileski einen einfachen Dipol mit einem Sender und legte die beiden langen Drähte auf das Eis. Kilometer entfernt breitete er ähnliche Antennen aus, um das Signal zu empfangen. "Obwohl das Signal die meiste Zeit durch das Eis wandert, kann es auch knapp über der Eisdecke empfangen werden", so Mileski. Die besten Ergebnisse erzielte er mit einer Wellenlänge von 600 Metern, die er mit zwei 150 Meter langen Drähte erzeugen konnte. Dieses 500 Kilohertz-Signal breitete sich ohne große Störungen knapp 500 Kilometer weit aus. (pte)

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