Südafrika als "Schatzkammer für die Genforscher"

17. Mai 2001, 22:03
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Wieder die These von "Out of Africa": Wo "ältestes" und "modernstes" Erbgut aufeinander treffen

Wien - Der Mensch stammt aus Afrika. Wellen von Wanderungen und die Vermischung jeweils bereits ortsstämmiger "Urbevölkerungen" mit den Neuankömmlingen führten zu jenem Bild, das die Menschheit heute bietet. Das geht aus der Untersuchung von 1.818 Chromosomen-Abschnitten hervor, die eine internationale Wissenschaftergruppe unter D. Labuda (Montreal/Kanada) durchgeführt hat. Die Resultate wurden am Donnerstag beim Internationalen Humangenetik-Kongress in Wien präsentiert. Laut südafrikanischen Experten könnte das Land am Kap in Zukunft überhaupt zu einem "Gen-Wunderland" für die Forscher werden.

Die Wissenschafter untersuchten dabei verschiedene Varianten eines 8.000 Basenpaare langen Teils des Dystrophin-Gens auf dem X-Chromosom. Die Fachleute in der Zusammenfassung ihrer Ergebnisse: "Unsere Analyse zeigt (...), dass die von Afrikanern stammenden Chromosomen aus zwei Linien stammen, die sich offenbar eine Zeit lang voneinander getrennt entwickelt haben."

Doch dann folgte am Ende der Altsteinzeit eine Wanderung, die ihre "Menschheits-Spuren" praktisch weltweit hinterließ. Die Fachleute: "Die Angehörigen einer der beiden Linien breiteten sich stark aus und kolonisierten verschiedene Kontinente inklusive Afrika. In Afrika selbst vermischten sie sich wieder mit dem zweiten 'Stamm'."

Wanderungsbewegungen

Die Charakteristika jener Afrikaner, die zunächst nicht an der Kolonisations-Welle teilgenommen hatten, finden sich übrigens heute bei der Mehrheit der Bevölkerung des Kontinents, aus dem die Menschheit stammt. Das - so die Fachleute - erklärt auch die relativ großen genetischen Unterschiede, die zwischen den Menschen im südlichen Afrika bestehen.

Die Fachleute konnten auf Grund der Analysen des Chromosomen-Abschnittes auch mehrere Wanderungsbewegungen bei der Eroberung der Erde durch Homo sapiens sapiens identifizieren. Eine führte von Afrika nach Europa, Asien und Amerika. Eine zweite ist die "südliche Route" von Afrika nach Südostasien, Indonesien und Papua Neuguinea. Eine weitere - nördliche Wanderung - ging ebenfalls nach Europa und Asien und erreichte schließlich den amerikanischen Doppelkontinent. Ein Spezifikum: Indianern und Nachfahren der NaDene-Stämme in Amerika geht beispielsweise eine Variante des untersuchten Genom-Abschnitts völlig ab.

Schatzkammer für die Genforscher

Der Vergleich der Erbsubstanz zwischen seit urdenklichen Zeiten in Südafrika lebenden Menschen und den Buren bzw. den übrigen aus dem Norden des Globus "Zugereisten" könnte in Zukunft eine Schatzkammer für die Genforscher sein. "Südafrika hat mit den Khoisan einige der ursprünglichsten Stämme des Menschen - und mit den 'Afrikaans' auch solche mit den 'modernsten' Charakteristika", erklärte Dr. Maritha Kotze von der Universität von Stellenbosch (Südafrika).

Das ungleich häufige Auftreten von Krankheiten in den einzelnen Bevölkerungsgruppen, die in Südafrika leben, könnte deshalb in dem Land am Kap die Basis für nachfolgende genetische Untersuchungen verwendet werden. Bei diesen Tests ginge es dann um die Feststellung, welche genetischen Variationen mit einem geringeren oder größeren Risiko für bestimmte Erkrankungen in Verbindung zu bringen sind.

Genetisch sehr uniforme Bevölkerungsgruppen - zum Beispiel die Isländer, die auf wenige Gründerfamilien bzw. Kolonisatoren zurück gehen - eigenen sich besonders für die Identifizierung von monogenetisch bedingten Erkrankungen. Doch diese klassischen Erbkrankheiten sind selten. Bei der Analyse der Ursachen von genetisch komplexen Leiden - wie zum Beispiel - Herzleiden oder Krebs, ist die Untersuchung von stark "vermischten" Populationen zielführender. In Südafrika leben beide Gruppen.

Aufeinandertreffen von Extremen

Der Vergleich der Erbsubstanz zwischen seit urdenklichen Zeiten in Südafrika lebenden Menschen und den Buren bzw. den übrigen aus dem Norden des Globus "Zugereisten" könnte in Zukunft eine Schatzkammer für die Genforscher sein. "Südafrika hat mit den Khoisan einige der ursprünglichsten Stämme des Menschen - und mit den 'Afrikaans' auch solche mit den 'modernsten' Charakteristika", erklärte Dr. Maritha Kotze von der Universität von Stellenbosch (Südafrika). [... wenn von "ursprünglich" und "modern" gesprochen werden kann ...; Anm.]

Das ungleich häufige Auftreten von Krankheiten in den einzelnen Bevölkerungsgruppen, die in Südafrika leben, könnte deshalb in dem Land am Kap die Basis für nachfolgende genetische Untersuchungen verwendet werden. Bei diesen Tests ginge es dann um die Feststellung, welche genetischen Variationen mit einem geringeren oder größeren Risiko für bestimmte Erkrankungen in Verbindung zu bringen sind.

Laut Maritha Kotze würde sich die Bevölkerung in Südafrika besonders für Studien zu den genetischen Grundlagen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Krebs und Infektionskrankheiten - auch bei Aids - eignen: "Wir wollen hier gleich berechtigte Partner sein. Wir brauchen bloß das Geld, um eine Gen-Datenbank einzurichten, von der die ganze Welt profitieren könnte."

Genetisch sehr uniforme Bevölkerungsgruppen - zum Beispiel die Isländer, die auf wenige Gründerfamilien bzw. Kolonisatoren zurück gehen - eigenen sich besonders für die Identifizierung von monogenetisch bedingten Erkrankungen. Doch diese klassischen Erbkrankheiten sind selten. Bei der Analyse der Ursachen von genetisch komplexen Leiden - wie zum Beispiel - Herzleiden oder Krebs, ist die Untersuchung von stark "vermischten" Populationen zielführender. In Südafrika leben beide Gruppen. (APA)

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