Ermittlungen gegen französischen Folter-General eingeleitet

17. Mai 2001, 19:42
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83-jähriger Algerien-Veteran Aussaresses soll Kriegsverbrechen verherrlicht haben

Paris - Die Staatsanwaltschaft in Paris hat Ermittlungen gegen einen früheren französischen General eingeleitet, der Folter und Exekutionen während des Algerienkrieges (1954-1962) zugegeben hat. Untersucht würden Vorwürfe über "Verherrlichung von Kriegsverbrechen", hieß es nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Donnerstag.

Die Liga für Menschenrechte hatte die Klage gegen den 83-jährigen Ex-General Paul Aussaresses am 4. Mai eingereicht. Der ehemalige Geheimdienstler schildert in einem kürzlich veröffentlichten Buch (Services speciaux, Algerie 1955-1957) detaillierte Beispiele von Folterszenen und Exekutionen und rechtfertigt diese auch. Es habe keine andere Möglichkeit gegen den Terror gegeben, schrieb Aussaresses, dessen Buch gegenwärtig die Bestsellerlisten erklimmt.

Aussaresses hat mit seinem Eingeständnis in Frankreich einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und die stark emotionsbelastete Debatte um die Folterpraktiken der französischen Armee im Algerienkrieg wiederaufleben lassen. Staatspräsident Jacques Chirac hat sich dafür ausgesprochen, den pensionierten General aus der Ehrenlegion auszuschließen. "Ich kann nicht dafür bestraft werden, dass ich meine Pflicht getan habe", sagte Aussaresses in Interviews. (APA/dpa)

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