Bergung von schweizer Studenten verzögert sich weiter

19. Mai 2001, 16:20
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Hoher Wasserpegel in Jura-Höhle - Taucher brachten Nahrung

Goumois - Die Rettung der in einer Höhle in Ostfrankreich eingeschlossenen Schweizer Touristen und ihrer Führerin hat sich am Samstag weiter verzögert. Der Präfekt Alain Gehin sagte gegen Mittag, der Wasserstand sei noch zu hoch in dem Siphon der Höhle "Bief Paroux", durch den die fünf Männer und drei Frauen ins Freie gelangen sollen. "Das Wasser sinkt momentan um zwölf Zentimeter pro Stunde und es muss noch um 120 Zentimeter sinken", erklärte Gehin.

Taucher hätten jedoch erstmals seit Freitag wieder zu den Eingeschlossenen vordringen können und diesen Nahrungsmittel gebracht. Die sieben Studenten einer Schule für soziale Arbeit in Zürich und ihrer Führerin waren am Mittwoch in die Höhle eingestiegen und wurden von einem Wassereinbruch überrascht.

Eingeschlossene bei "guter Gesundheit" Die Rettungskräfte wollen vermeiden, dass die Eingeschlossenen durch den mit Wasser gefüllte Siphon tauchen müssen. Derzeit sei der Gang auf einer Länge von rund 25 Metern überflutet, erklärten sie. "Wir wollen nicht das Risiko eingehen, dass sie tauchen müssen," sagte der Schweizer Rettungschef Rémy Wenger im Schweizer Rundfunk. "Sie haben keine große Höhlenerfahrung und keine Erfahrung im Tauchen."

Nach Angaben Gehins sind die Eingeschlossenen bei "guter Gesundheit". Die Rettungskräfte versuchten nun, eine Telefonleitung zu ihnen zu legen, damit sie mit den Angehörigen sprechen können. Helfer hatten einen zweiten Eingang in das Höhlensystem gesprengt, um zu der Gruppe vordringen zu können.

"Das Warten ist zermürbend"

"Das Warten ist zermürbend", sagte Silvia Wyss von der Schule für Soziale Arbeit, die vor der Höhle auf die Bergung der Studenten wartet. "Jedes Mal wenn eine neue Information kommt, denken wir, es passiert etwas, aber dann ist es doch wieder nichts," sagte sie im Schweizer Rundfunk.

Die Rettungskräfte hofften, das Auspumpen durch den Einsatz weiterer Pumpen beschleunigen zu können. Zudem soll der Abfluss durch Sprengungen erweitert werden. Am Freitag waren einige Pumpen ausgefallen. Die Verzögerungen bei den Bergungsarbeiten hatten die Rettungskräfte überrascht. Ursprünglich hatten sie damit gerechnet, die Eingeschlossenen am Freitag oder in der Nacht zu Samstag aus der Höhle befreien zu können.

Die Höhle liegt in Sichtweite der Schweizer Grenze am Fluss Doubs. Die Tour in die Höhle war Teil eines Kurses "Erlebnispädagogik" der Züricher Fachhochschule. Erfahrene Höhlenforscher erklärten, sie wären bei regnerischem Wetter nicht in die Höhle eingestiegen. Mitte der Woche hatte es in der Region ergiebige Regenfälle gegeben. (APA/Reuters)

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