Rosemarie Bauer - VP-Anwärterin für die Volksanwaltschaft

17. Mai 2001, 14:10
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Schon vor zehn Jahren als Familien- und Umweltministerin in Gespräch

Wien - Mit Rosemarie Bauer (56) kommt eine Konsenspolitikerin sowie eine anerkannte Frauen- und Familienexpertin in die Volksanwaltschaft. Die Niederösterreicherin sitzt bereits seit 16 Jahren im Nationalrat. Sie leitete sieben Jahre lang die ÖVP-Frauenbewegung und war schon vor zehn Jahren auch als Familien- und Umweltministerin im Gespräch.

Als mögliches Regierungsmitglied wurde Bauer erstmals Ende Februar 1991 gehandelt als die damalige Umwelt- und Familienministerin Marilies Flemming nach Diskussionen über die Firma ihres Mannes auf eigenen Wunsch aus der Regierung ausgeschieden ist. Die damalige Entscheidung fiel aber zugunsten Ruth Feldgrill-Zankls aus. Auch als Feldgrill-Zankel im November 1992 in die Grazer Stadtpolitik wechselte galt Bauer wieder als Kandidatin. Damals wurde ihr aber die jetzige ÖVP-Generalsekretärin Maria-Rauch Kallat als Ministerin vorgezogen.

Ihr Engagement in der Familien- und Frauenpolitik hat Bauer im Frühjahr 1991 auch bewogen, das Angebot des ÖVP-Obmannkandidaten Bernd Görg abzulehnen, im Fall seiner Wahl die Funktion der Generalsekretärin zu übernehmen. Auf dem ÖVP-Bundesparteitag Ende Juni hatte sich Bauer für Görg eingesetzt, der in der Kampfabstimmung Erhard Busek unterlegen ist.

Bauer verfügt über eine jahrelange Erfahrung bei Verhandlungen über die legistische und praktische Gleichstellung der Frau und die Besserstellung der Familie. Über die eigenen Parteigrenzen hinaus wird sie als konstruktive Gesprächspartnerin geschätzt. Unter ihrer aktiven Mitwirkung wurde auch das Gleichbehandlungspaket sowie die Regelung des Frauenpensionsalters, das dem Jahr 2019 langfristig an jenes der Männer angeglichen werden soll, geschaffen.

Bauer hat sich immer wieder für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie für Kinderbetreuungseinrichtungen mit praxisgerechten Öffnungszeiten eingesetzt. Auch bessere arbeitsrechtliche Bedingungen für berufstätige Frauen und ein selbstbestimmtes Leben der Frauen waren ihr immer ein Anliegen.

Rosemarie Bauer wurde am 5. Juli 1944 in Roggendorf bei Melk geboren, sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Nach der Matura absolvierte sie eine pädagogische Ausbildung und trat 1965 als landwirtschaftliche Berufsschullehrerin in Mistelbach in den Landesdienst ein. Seit 1981 ist sie mit der Leitung der Landwirtschaftlichen Fachschule Schloß Mittergrabern bei Hollabrunn betraut.

1965 trat sie dem ÖAAB bei, 1970 der Frauenbewegung Hollabrunn, wo sie zunächst Bezirks- und später Hauptbezirksleiterin wurde. 1972 war sie bei den Gemeinderatswahlen Spitzenkandidatin der Frauenbewegung und wurde Stadträtin für Kultur. 1973 wurde sie Mitglied der Landesleitung der Frauenbewegung und deren Bildungsreferentin. Ab 1984 bekleidete sie die Funktion der Generalsekretärin der Österreichischen Frauenbewegung, von 1987 bis 1991 war Bauer Geschäftsführende Bundesleiterin der ÖVP-Frauenbewegung, bis 1998 dann Chefin der ÖVP-Frauen.

Auf parlamentarischer Ebene wurde sie im Mai 1983 in den Bundesrat entsandt, dem Nationalrat gehört sie seit September 1985 an. Von 1980 bis April 1992 war Bauer Landesparteiobmann-Stellvertreterin der ÖVP-Niederösterreich. (APA)

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