Digitale Alternativen

21. Mai 2001, 02:12
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Eine interaktive Installation zum Thema Mode und Medien konzipiert vom Avantgarde-Couturier Simon Thorogood und der Medienkunst-Gruppe Spore für das Modebüro "Unit F"

Der junge britische Designer Simon Thorogood begründete 1998 in London sein eigenes Couture-Label. Er arbeitet nur auf Bestellung, modifiziert gemeinsam mit seinen Kunden jedes Modell zu einem ganz persönlichen Kleidungsstück und sieht sich in seinem Zugang zur Mode in der Tradition von Pierre Cardin und André Courrèges. Die Quellen seiner Inspiration bezieht Thorogood aber weniger aus vergangenen Modeepochen und Stilen denn aus der modernen Flugzeugtechnologie, dem Industrial Design, der Minimal Music oder der Architektur.

Spore ist ein Kollektiv von sechs Künstlerinnen und Künstlerinnen, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen: elektronische Musik, Fotografie, Bildhauerei oder Computeranimation. Was sie eint, ist ihr Interesse für digitale Medien. Für ihre Projekte erarbeiten sie maßgeschneiderte Kombinationen von verschiedensten Technologien, die meist aus selbst programmierter Software und eigens konstruierten elektronischen Lösungen bestehen. Ihre Installationen reagieren auf den Betrachter, interagieren mit ihm - oder können einfach nur betrachtet werden.

Thorogood & Spore arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen, in Wien war schon 1999 ein Produkt dieser Kooperation zu sehen: ein digitaler Laufsteg bei der Ausstellung "fast forward" im Künstlerhaus.

Für das aktuelle Unit-F-Projekt "Material/izations" hat sich Thorogood erneut mit zwei Spore-Mitgliedern - Suzanne Lee und Benedict Sheehan - zusammengetan. Suzanne Lee fokussiert ihre Arbeit auf den Crossover von Mode, Textilien und Technologie und beschäftigt sich unter anderem mit "elektronischer Kleidung" und digitalen Installationen. Sie arbeitet u.a. als Ausstellungskuratorin für das British Council und entwickelt ein Archiv zum Thema "Wearable Technology" für die renommierte Modeausbildungsstätte Central Saint Martins School of Art & Design in London.

Benedikt Sheehan gilt als "Kreativ-Technologe", der immer wieder nach unorthodoxen technischen Lösungen sucht, die über den Bereich von Programmierung hinausgehen. Er selbst beschreibt seinen Hintergrund als "eine Mischung aus traditioneller Computeranimation und Computer-Hacker". Sheehan kreierte u.a. eine Ausstellung für das Londoner Science Museum und erforscht neue Arten der Figurenanimation, vor allem im Bereich Film und Computerspiele.

Thorogood & Spore haben für Wien eine interaktive Installation konzipiert, die mit dem Design- und Entstehungsprozess eines Kleidungsstücks experimentiert. Dafür wählten sie also nicht den traditionellen Zeichenblock, sondern "digitale Alternativen". Die Besucher der Ausstellung können mithilfe von spezial gefertigten oder auch zufällig gefundenen Teilen ein eigenes Outfit auf einem Leuchttisch kreieren. Unter dem Leuchttisch befindet sich eine Videokamera, die jede Veränderung auf der Oberfläche aufzeichnet und diese auf die Abbildung eines weiblichen Körpers an die Wand projiziert.

Die so entstandenen Outfits werden mit einer digitalen Kamera abfotografiert und ausgedruckt. Der Besucher kann dann seine eigene Kreation mit nach Hause nehmen oder auch auf einer Art Plakatwand nach eigenem Belieben platzieren. Am Ende der Ausstellung wird Thorogood das beste Outfit auswählen, das dann auch produziert werden soll.
(mw)

Material/izations;
Unit F
büro für mode,
Gumpendorfer- straße 10-12
1060 Wien;

23. 5.- 30. 6.2001
Mo-Fr 11-17 Uhr
Do bis 20 Uhr
Sa 13-17 Uhr.
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