Die Halle hallt

21. Mai 2001, 09:03
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Mit Bernd Schlachers "Halle" nimmt das erste der neuen Museumsquartier-Lokale seinen Betrieb auf. Das Innenarchitekten-Duo Eichinger oder Knechtl sorgte für das Interieur seines Lokals.

Natürlich gibt es Schwierigkeiten, mit denen sich höchstwahrscheinlich nur das erste der insgesamt fünf Lokale im Museumsquartier herumschlagen muss. So werden die nächsten Museums-Cafés aller Voraussicht nach nicht mehr mit dem Baustellen-Flair kämpfen müssen, das der "Halle" in der Kunsthalle einstweilen noch ein bisschen zu schaffen macht: Kaum einer glaubt nämlich, dass man da hinter den Bauzäunen und jenseits der Sandhaufen tatsächlich schon essen kann.

Auf der anderen Seite wird Bernd Schlacher, bisher als Wirt des "Motto" bekannt, eben auch der Erste gewesen sein, der seinem Publikum die bunten Salate, die lustigen Burger und das bekannte Szenegastronomie-Spektrum an Pasta und Risotto serviert hat. Die anderen Muqua-Gastronomen, deren Konzepte sich von jenem der "Halle" ja nur marginal unterscheiden, können dann eben nur Zweite, Dritte oder sogar vollkommen überflüssig sein.

Noch einen weiteren Vorteil kann Bernd Schlacher gegenüber seinen zukünftigen Konkurrenten verbuchen: Das zurzeit profilierteste Innenarchitekten-Duo Eichinger oder Knechtl sorgte für das Interieur seines Lokals, was sich zum Beispiel in einer Batterie riesiger, zylindrischer Lampen und einem überdimensionalen Ikea-Regal äußert: so genanntes Gulliver-Design, in Wien bisher noch eher selten zu sehen, in anderen Kunsthallen schon.

An den internationalen Richtlinien einer Kunsthallen-Café-Gastronomie orientierte sich Bernd Schlacher auch bei der Konzeption seiner Speisekarte: Antipasti, Ceasar's Salad, Rucola-Salat mit Parmesan und gerösteten Pinienkernen, Tagliatelle mit Blattspinat und Schafkäse, gebratene Hühnerbrust auf schwarzen Nudeln, Bärlauchrisotto - ein typisches Kunsthallen-Café-Programm, wie man es auch in Paris, London, Dortmund oder Sindelfingen bekommen könnte. Die Entenbruststreifen auf Bärlauch-Spargelsalat waren jedenfalls saftig, rosa, gut gepfeffert und fein, warum der Spargel gerade jetzt aber aus der Dose sein muss, und wohin der Bärlauch verschwunden war, blieb offen (öS 98 / EURO 7,1). Komplett in den Bereich der Belanglosigkeit einzuordnen war die Spargelsuppe (öS 45 / EURO 3,3), brav und bunt das gebratene Lachsfilet mit zwei leider etwas sehr pampigen Zucchini-Kartoffellaibchen (öS 178 / EURO 12,9).

Zugute halten muss man der "Halle" aber erstens, dass derlei Kreationen in der Szenegastronomie ja nicht gerade unpopulär sind, und dass zweitens in der winzigen Küche dieses Lokals nicht mit großen Sprüngen gerechnet werden kann. Außerdem ist auch gar nichts gegen ein typisch modernes Kunsthallen-Café einzuwenden. Seltsam wird's halt nur, wenn man die Wahl zwischen deren vier hat. Aber immerhin, die "Halle" war zumindest Erster.
(Florian Holzer)

Halle
Museumsplatz 1
1070 Wien,
Tel: +49/01/587 06 72 (Motto)
tägl. 10-2 Uhr
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