Pro Haushaltsvorstand

21. Mai 2001, 10:54
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Früher wusste ich nicht einmal, dass es einen Haushaltsvorstand gibt, seit der Volkszählung genieße ich es, einer zu sein. Damit drückt sich meine inoffizielle Leitungsfunktion als einziger Mann in einem feminin dominierten Vierpersonenhaushalt nun endlich auch in Form eines amtlichen Titels aus, auf den ich mich im Alltag natürlich zunehmend berufe: Wenn ich zum Beispiel am Morgen mit Faustschlägen gegen die Badezimmertür donnere, um eine langwierige weibliche Toilette abzukürzen: "Beeil dich und mach auf, hier spricht dein Haushaltsvorstand!"

Diese neu gewonnene Amtsmacht ist wunderbar, und oft denke ich an meine abertausend Kovorstände in abertausend österreichischen Haushalten, wie sie des Abends, von schnauzenden Chefs, fiesen Finanzbeamten und barschen Bürokraten niedergedrückt, die häusliche Schwelle überschreiten, um mit einem Mal, vom Königspurpur der Haushaltvorstandswürde umhüllt, zu neuer Frische aufzublühen und im Geiste der Haushaltshierarchie Frau, Kind und Hund zur Sau zu machen. Obrigkeitsstaatliches Denken will eben gelernt sein, und ein besseres Amt als das des Vorstandes, um das anarchische Dahingewusel in den Haushalten in den Griff zu bekommen, gibt es nicht. Solange mich mein Aufsichtsrat (Barbara, Inge, Judith) nicht abwählt, werde ich jedenfalls Vorstand bleiben.

Von
Christoph Winder
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