Unaufgeklärte Verbrechen der RAF

17. Mai 2001, 12:46
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Spott der Terroristen: "Sie wissen nicht viel über uns"

Hamburg - Bis 1991 hat die Rote Armee Fraktion (RAF) "gezielte tödliche Aktionen" gegen "führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat" verübt. Die Terrororganisation hat sich mittlerweile aufgelöst, einige ihrer Verbrechen bleiben jedoch unaufgeklärt. "Sie wissen nicht viel über uns", verspottete die RAF 1996 in einer Erklärung die Fahnder. Von den Fällen der vergangenen 16 Jahre konnte nur der Mord an drei US-Amerikanern vom August 1985 zu den Akten gelegt werden.

Zu den noch nicht geklärten Bluttaten zählt auch der Mord an Detlev Rohwedder, der am Ostermontag 1991 in seinem Haus im Düsseldorfer Nobelviertel Oberkassel durch das Fenster seines Arbeitszimmers erschossen wurde. Wer die Schüsse abgab, ist nach der Verfolgung von mehr als tausend Spuren immer noch ungewiss. Immerhin haben die Fahnder jetzt mit Hilfe neuer molekulargenetischer Methoden des Bundeskriminalamtes (BKA) herausgefunden, dass der 1993 getötete Wolfgang Grams beteiligt gewesen sein muss. Ein Haar auf einem am Tatort gefundenen Handtuch lenkte den Verdacht auf ihn.

Rätsel gibt auch der Mord an Alfred Herrhausen, dem Chef der Deutschen Bank, auf. Der 59-Jährige fuhr am 30. November 1989 in Bad Homburg auf dem Weg zur Arbeit durch eine Lichtschranke, die eine Bombe zündete. Die gepanzerte Limousine wurde durch die Luft geschleudert. Der Bankier war sofort tot, sein Fahrer Jakob Nix überlebte schwer verletzt. Wer zu den mutmaßlich vier Mitgliedern des RAF-Kommandos "Wolfgang Beer" gehörte, weiß die Bundesanwaltschaft immer noch nicht, will aber "nicht aufgeben". Der Verdacht gegen den Ex-Studenten Christoph Seidler, der sich 1996 selbst stellte, erwies sich als falsch.

Tiefe Betroffenheit löste am 10. Oktober 1986 auch der Tod des Spitzendiplomaten Gerold von Braunmühl aus. Der 51-jährige Abteilungsleiter im Auswärtigen Amt und enge Vertraute des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher (FDP) wurde von einer vermummten Person auf offener Straße im Bonner Vorort Ippendorf mit mehreren Schüssen niedergestreckt. Der Täter und ein Komplize flüchteten unerkannt mit einem roten PKW. Wer dem Mord-"Kommando Ingrid Schubert" angehörte, wissen die Fahnder auch fast 15 Jahre danach nicht.

Wie Herrhausen wurde am 9. Juli 1986 der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (56) mit einem Bombenanschlag auf sein Fahrzeug ermordet. Die Täter zündeten den in Straßlach bei München an einem Baum deponierten 10-Kilo-Sprengsatz, als das Auto des Managers vorbei fuhr. Der BMW wurde hochgeschleudert, Beckurts starb sofort, sein Fahrer kurze Zeit später. Die "heimtückischen Mörder" - so der damalige Generalbundesanwalt Kurt Rebmann - wurden nie gefasst. Als Täter verdächtigt wurde das RAF-Mitglied Horst-Ludwig Meyer; 1999 wurde der Mann bei einem Schusswechsel mit der Wiener Polizei getötet.

Auf der Suche nach den Mördern von Ernst Zimmermann tappen die Fahnder ebenfalls seit 16 Jahren im Dunkeln. Am 1. Februar 1985 hatten sich ein Mann und eine Frau unter einem Vorwand Zugang zum Haus des Vorstandsvorsitzenden der Motoren- und Turbinen-Union (MTU) in Gauting bei München verschafft und den 56-Jährigen mit einem Revolverschuss in den Hinterkopf tödlich verletzt. Laut Rebmann handelte es sich um dieselben Täter, die ein Jahr später Beckurts umbrachten. Horst-Ludwig Meyer soll auch an diesem Verbrechen beteiligt gewesen sein.(APA/dpa)

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