Der Wald im Klimastress

18. Mai 2001, 01:13
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WWF und Forst-Hauptverband: Schäden durch globale Erwärmung nehmen zu

Wien/Eisenstadt - Die heimischen Wälder leiden nach Angaben des WWF und von Forstfachleuten immer mehr unter dem Klimawandel. Die aus der globalen Erwärmung resultierenden Forstschäden würden deutlich zunehmen, hieß es am Donnerstag bei einem Lokalaugenschein in den Esterhazy'schen Wäldern im Burgenland.

In den trockensten und wärmsten Gebieten Österreichs, den pannonisch beeinflussten Klimazonen Niederösterreichs, im Burgenland und in der Steiermark, sei der Klimawandel bereits deutlich spürbar. Durch steigende Temperaturen und weniger Niederschläge seien die Wälder wesentlicher anfälliger für Schäden, besonders bei Fichtenforsten gebe es schon heute massive Trockenschäden. Die gestressten Wälder seien zudem anfälliger für Forstschädlinge.

Verschiebung der klimatisch bedingten Vegetationszonen

Der WWF und der Hauptverband für Land- und Forstwirtschaft haben zu diesem Thema ein Handbuch für den Forstpraktiker entwickelt. "Die Vorschläge für forstwirtschaftliche Maßnahmen auf Grund des Klimawandels orientieren sich dabei ganz klar an Standort gerechten Waldgesellschaften und natürlichen Prozessen und dienen damit auch dem Naturschutz," meinte WWF-Geschäftsführer Günther Lutschinger.

Auf Grund der globalen Klimaerwärmung kommt es laut WWF zu einer Verschiebung der klimatisch bedingten Vegetationszonen. In Österreich habe die Jahresmitteltemperatur seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts um ein Grad Celsius zugenommen. Gleichzeitig hätten die Niederschlagsmengen im Osten des Bundesgebietes seit Anfang des Jahrhunderts um zehn bis 20 Prozent abgenommen. Das Frühjahr 2000 sei das heißeste und trockenste seit 200 Jahren gewesen. "In meinem Betrieb in Kohfidisch nahe Güssing nehmen Trockenschäden und die Anfälligkeit für Forstschädlinge stark zu", berichtet der Forstwirt und Obmann des Ressourcenfonds, Alexander Kottwitz-Erdödy.

Verbesserungen brauchen Zeit

Aktuell vertretene Baumarten werden den Fachleuten zufolge teilweise ihre ökologischen Grenzen erreichen, wobei besonders nicht Standort gerechte Fichtenaufforstungen gefährdet sind. In Randlagen könnten die geringer werdenden Niederschläge und die steigenden Temperaturen die Forstwirtschaft überhaupt unmöglich machen. Verschärft wird die Problematik durch die langsame Generationenfolge im Wald, die abhängig von der jeweiligen Waldgesellschaft zwischen 100 und 500 Jahren betragen kann. Damit wird die Anpassungsfähigkeit der Wälder stark vermindert. Heute eingeleitete Veränderungen werden erst in Jahren wirksam.

"Der Klimawandel ist bereits heute eine akute Bedrohung der Artenvielfalt. Ohne drastische klimapolitische Maßnahmen wird es in den nächsten Jahrzehnten zu einem enormen Artensterben nicht nur in den Wäldern kommen", betonte Stefan Moidl, der Klimaexperte des WWF Österreich. Ein Weg, um die schädlichen Treibhausgase zu verringern ist der verstärkte Einsatz von Biomasse. Aus Sicht von Hauptverband und WWF sind folgende Rahmenbedingungen zu verändern:

- Eine Gesamtreform des Steuersystems, die ökologisches Handeln belohnt und nachhaltiges Wirtschaften fördert. - Mehr Geld für die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen. - Befreiung von Strom aus Biomasse, Windenergie und Solarenergie von der derzeit eingehobenen Energieabgabe. - Die Einspeisetarife, das Entgelt für in das Netz gelieferten Strom, müssen einen ökonomischen Betrieb von Biomasseverstromungsanlagen gewährleisten. - Deutliche Investitionsförderung für Biomassefeuerungen, auch in Einzelhäusern, durch Umgestaltung der Wohnbauförderung. (APA)

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