Israel dringt mit Bulldozern in Flüchtlingslager ein

17. Mai 2001, 13:48
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USA planen neue Friedensinitiative - Treffen Powell-Arafat geplant

Jerusalem - Israelische Truppen sind in der Nacht zum Donnerstag erneut mit Panzern und Planierraupen in ein Flüchtlingslager im Gazastreifen eingedrungen. Palästinensische Sicherheitsvertreter erklärten, die Planierraupen hätten in dem Lager in Rafah Granaten abgefeuert und Ackerland zerstört. In der Stadt Khan Yunis kam es zu Feuergefechten. Vier Palästinenser wurden dabei verletzt. Angesichts der anhaltenden Gewalt wollen die USA eine diplomatische Initiative zur Beilegung des Konflikts starten.

Die israelischen Streitkräfte wollten sich nicht zu den Angriffen der Nacht äußern. Kampfhubschrauber hatten am Mittwochabend Gebäude der palästinensischen Polizei im Flüchtlingslager Dschebelija bei Gaza angegriffen. Dabei wurden nach Angaben palästinensischer Ärzte zehn Menschen von Geschosssplittern verletzt, unter ihnen auch zwei Kinder. In Jenin im Westjordanland wurde ein Gebäude der palästinensischen Autonomieregierung mit Raketen beschossen. Israelische Militärvertreter erklärten, in Jebelija hätten Palästinenser Angriffe auf Israel geplant.

Bericht der Mitchell-Kommission im Blickpunkt

US-Außenminister Colin Powell will möglicherweise schon in der nächsten Woche mit dem palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat zusammentreffen, wie am Mittwochabend aus Regierungskreisen in Washington verlautete. Im Mittelpunkt der Beratungen soll der Bericht der so genannten Mitchell-Kommission stehen, der einen von Israel bisher abgelehnten Baustopp für jüdische Siedlungen und einen Waffenstillstand empfiehlt. Hauptzweck der Nahost-Reise Powells sei aber der Versuch, ein Ende der seit nahezu acht Monaten anhaltenden Gewalt herbeizuführen, hieß es. Powell beginnt am Montag eine Afrika-Reise und wird danach in Ungarn erwartet. Ein Treffen mit Arafat soll nun zusätzlich in das Programm der Reise aufgenommen werden.

Der palästinensische Informationsminister Yasser Abed Rabbo hatte am Mittwoch erklärt, der Mitchell-Bericht müsse von beiden Seiten uneingeschränkt akzeptiert werden. Keiner Seite dürfe erlaubt werden, nur einzelne Empfehlungen umzusetzen.

Arafat beriet mit der tunesischen Regierung über die gespannte Lage im Nahost-Konflikt. Bei der Unterredung mit dem tunesischen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali sei auch der Bericht der internationalen Mitchell-Kommission zur Sprache gekommen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur TAP. (APA/AP)

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