TXO-Gagen-Streit: Kameraleuteverband fordert Anstellung

18. Mai 2001, 11:58
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ORF glaubt an "Ordungsmäßigkeit"

Die Diskussion um die finanzielle und rechtliche Einstufung von Kameraleuten für die ORF-Soap Taxi Orange durch die Produktionsfirma Interspot geht weiter. Die insgesamt neun im Schichtdienst an den Kameras hinter den Kulissen im Kutscherhof Arbeitenden seien keine Kameraleute im eigentlichen Sinn, "weil sie nicht dauernd, sondern nur auf Regieanweisung gefordert" seien, erklärte Interspot-Geschäftsführer Rudolf Klingohr gegenüber pressetext.austria.

"Keiner fühlt sich schlecht behandelt"

Interspot habe die Betreffenden, von denen drei angestellt und der Rest Inhaber von Gewerbescheinen seien, selbst eingeschult. "Keiner fühlt sich schlecht behandelt", sagte Klingohr, der eine Kampagne von "Neidern" gegen ihn vermutet. Wer auch in der Nacht und am Wochenende arbeiten müsse und weisungsgebunden sei, falle eindeutig unter das Sozialversicherungsgesetz und sei daher anstellungspflichtig, betonte Norbert Arnsteiner, Präsident des Verbandes der Kameraleute, gegenüber pte. Manche Firmen glaubten offenbar, "hier im rechtsfreien Raum agieren zu können".

Kameraleute-Gewerkschaft fordert Streichung des Freien Dienstvertrages und fixe Anstellung

Wenn Klingohr bei durchschnittlich 50 Einsätzen in zehn Wochen ein Gesamthonorar von 110.000 Schilling angebe und dies Leute mit Gewerbeschein betreffe, kämen die Betroffenen nach Abzug von Steuern, Versicherungen und Pensionsvorsorge auf maximal 35.000 bis 40.000 Schilling netto in diesem Zeitraum, erläuterte Arnsteiner. Er strebe einen runden Tisch zusammen mit allen Betroffenen an, lasse sich aber sicher von niemanden "vor einen Karren spannen". "Eine ersatzlose Streichung des Freien Dienstvertrages" fordert indes die ÖGB Sektion Film, Video, Audiovision, Kommunikation in einer Stellungnahme. "Der Gesetzgeber ist aufgefordert, Rechtssicherheit herzustellen, um die Scheinselbständigkeit zu bekämpfen. Die Gewerkschaft werde versuchen, diesem Treiben mit allen Mitteln ein Ende zu setzen," schreibt Gewerkschaftschef Heinz Scala.

"Der ORF geht davon aus, dass sämtliche Details der Produktion von Geschäftsführer Rudolf Klingohr ordnungsgemäß abgehandelt werden. Dies trifft auch auf die Vertragsgestaltung mit Kameramännern und allen anderen Mitarbeitern für Taxi Orange zu", reagierte ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm auf die Vorwürfe. Bei allen Auftrags- und Co-Produktionen würden "Eckwerte und Rahmenbedingungen der Produktionsdetails verhandelt und abgestimmt, wobei für den ORF der Kollektivvertrag und der gültige Honorarkatalog die Basis darstellt", so Böhm. (pte)

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