Mazedonische Armee setzt Offensive gegen Rebellen weiter aus

17. Mai 2001, 15:20
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Ultimatum an UCK-Kämpfer zu Mittag abgelaufen - Vorerst keine Kämpfe

Skopje - Die mazedonische Armee will auch nach Verstreichen eines Ultimatums an die im Norden des Landes verschanzten Albanerrebellen nicht zu einer Offensive ansetzen. Das Büro von Präsident Boris Trajkovski kündigte am Donnerstag in Skopje an, es werde vorerst keine Angriffe mazedonischer Soldaten auf Stellungen der Rebellen geben. Am Mittag war ein Ultimatum an die Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK ausgelaufen.

Darin hatte die Regierung in Skopje die UCK-Kämpfer aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen oder das Land zu verlassen. Nach Verstreichen der Frist um 12.00 Uhr MESZ waren die vielfach erwarteten Kämpfe in der Region um die Stadt Kumanovo ausgeblieben. Noch in der Nacht hatten sich die Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK und die Armee nach Angaben eines Armeesprechers die heftigsten Gefechte seit gut zwei Wochen geliefert. Die Regierung hatte den Albanerrebellen das Ultimatum am Dienstag gestellt.

Bis zum Ablauf hätten die UCK-Kämpfer das Land verlassen oder die Waffen niederlegen sollen. In der Zwischenzeit wurden alle militärischen Operationen eingestellt, um der Zivilbevölkerung die Gelegenheit zu geben, die von den Rebellen besetzten Dörfer um Kumanovo zu verlassen. Die Regierung hatte das Ultimatum zunächst als "letzte Chance" für die Rebellen bezeichnet. Der neue Verteidigungsminister der Allparteien-Regierung sagte in einem Interview aber, er unterstütze eine politische Lösung. Eine entscheidende Offensive schien danach weniger wahrscheinlich.

Zivilisten verlassen ihre Dörfer

Hunderte Zivilisten verließen die von Rebellen besetzten Dörfer. In der benachbarten südserbischen Provinz Kosovo übergaben weitere albanische Rebellen ihre Waffen der Friedenstruppe KFOR. "So lange diese Politik Erfolge zeigt und es realistische Aussichten auf Fortschritt gibt, werden sie (die Armee) vorsichtig vorgehen", hieß es eine Stunde nach dem Ablauf des Ultimatums aus den mazedonischen Kreisen.

Zuvor war aus Regierungskreisen in der Hauptstadt Skopje verlautet, über Nacht hätten 740 Menschen die Ortschaften Opaje und Nikustac verlassen. Kurz vor dem Ablauf der Frist fuhren vier Traktoren mit Anhägern aus dem Kampfgebiet. Sie waren voll besetzt mit Flüchtlingen. Die Regierung hat den Rebellen vorgeworfen, die Zivilisten in den Dörfern festzuhalten und als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die Rebellen wiesen diese Darstellung zurück.

Ein Armeesprecher sagte, in der Region um Slupcane, Orizare und Opaje sei es in der Nacht zuvor zu längeren Gefechten mit Rebellen gekommen. Aus Rebellen-Kreisen verlautete, erstmals sei der Ort Lipkovo von der Armee mit Granaten beschossen worden. Dort hätten in den vergangenen Tagen viele Zivilisten Zuflucht gesucht. Augenzeugen berichteten von verstärkten Kontrollposten der Armee und der Polizei, aber keine Anzeichen für eine bevorstehende Bodenoffensive.

Im Kosovo gaben am Donnerstag weitere 45 albanische Rebellen ihre Waffen der Friedenstruppe KFOR ab. Damit hätten seit Mittwoch insgesamt 125 Rebellen ihre Waffen niedergelegt, teilte die KFOR mit. Am Vortag hatten serbische Truppen ein Dorf in der Pufferzone Südserbiens von albanischen Separatisten zurück erobert. Die KFOR hatte den Rebellen in Südserbien Amnestie angeboten. Die Rebellen sollten bis zum 24. Mai ihren Kampf einstellen und ihre Waffen abgeben, dann würden sie nicht bestraft werden. Zu diesem Zeitpunkt hat die NATO der jugoslawischen Armee erlaubt, in weitere Teile der Pufferzone zwischen dem Kosovo und Serbien vorzurücken. (APA/Reuters/AP)

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