Deutsche Bahn: Börsenreife bis 2005

17. Mai 2001, 16:53
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Mehdorn: Trennung von Schiene und Zug bedeutet Milliardenrisiken

Berlin - Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, befürchtet bei einer Trennung von Schiene und Zugbetrieb neue Milliardenrisiken. Diese könnten die Sanierung des Konzerns gefährden und sieben Jahre Bahnreform zunichte machen. Die Aussichten beurteilt Mehdorn trotz der bevorstehenden mehrjährigen Verlustphase optimistisch. Wie Post und Telekom könne auch die Bahn zu einem wirtschaftlich attraktiven Unternehmen gemacht werden, sagte Mehdorn bei der Vorlage des ersten von ihm verantworteten Geschäftsberichts am Donnerstag in Berlin. Bis 2005 wolle die Bahn reif für die Börse sein.

Mit einer veränderten Unternehmensstruktur könne die aktuelle Planung jedoch nicht mehr gehalten werden, mahnte Mehdorn. "Wer aber glaubt, dass Wettbewerber aus Ländern mit geschützten Heimatmärkten sich hier die Rosinen herauspicken könnten, und die Deutsche Bahn fährt dann den Rest der Fläche, der irrt", fügte er hinzu.

Guter Start

Das Jahr 2000 ist aus Mehdorns Sicht das beste Jahr seit der Bahnreform - gemessen an Fahrgast- und Güteraufkommen sowie Beförderungsleistung. Finanzvorstand Diethelm Sack sagte, auch das erste Quartal 2001 habe sich mit einer Umsatzsteigerung von 3,2 Prozent auf 3,78 Mrd. Euro (52,0 Mrd. S) gut angelassen. Weil die erwartete Konjunkturabschwächung den Güterverkehr treffen könne, dürften daraus aber noch keine Schlüsse auf das Gesamtjahr gezogen werden. Der Verlust in den ersten drei Monaten belaufe sich wie im Vorjahr auf 76 Mill. Euro. Die Zahl der Beschäftigten liege jetzt bei 221.000.

In vier Jahren werde es eine nachhaltig sanierte Bahn und zufriedene Kunden geben, versicherte Mehdorn. Die Entwicklung einer Strategie für die nächsten 10 bis 15 Jahre habe begonnen. Die Pünktlichkeit sei gesteigert, ein Investitionsprogramm aufgelegt und eine Summe 6,9 Mrd. Euro bereits investiert worden. Zur Sanierung des Netzes seien innerhalb der nächsten 5 Jahre noch 40 Mrd. Euro vorgesehen.

Jobabbau im Güterverkehr

Auch der Rahmen für wettbewerbsfähige Tarifstrukturen in den nächsten Jahren sei geschaffen. Die Bahn ziehe sich weder im Personen- noch im Güterverkehr aus der Fläche zurück. Wenn sie Strecken still lege, gebe es Alternativen. Die Zahl der Güterverkehrsstellen werde nach Erörterung mit den Ländern bis 2002 von 2.050 auf etwa 1.400 reduziert. Geplant waren ursprünglich nur noch 1.100.

Die Deutsche Bahn AG (Berlin) weist nach den bereits früher bekannt gegebenen Zahlen für 2000 einen Umsatz von 15,5 Mrd. Euro (30,3 Mrd. DM) aus. Dies entspricht einem Rückgang um 1,9 Prozent. Bereinigt um den Verkauf der Reisebüros der DER-Gruppe und den Erwerb der Railion Benelux NV nahm er um 5 Prozent zu. Das Betriebsergebnis nach Zinsen verbesserte sich auf 199 Mill. Euro, nach einem Verlust von 87 Mill. Euro im Vorjahr. In diesem Jahr werde es negativ sein, sagte Sack. Das Ergebnis nach Steuern liegt 2000 mit 85 Mill. Euro auf Vorjahresniveau. (APA/dpa)

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