Zweiter Generalstreik in Griechenland binnen vier Wochen

17. Mai 2001, 17:39
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Proteste richten sich gegen Rentenreform - öffentliches Leben lahm gelegt

Athen - Ein Generalstreik hat am Donnerstag das öffentliche Leben in Griechenland weitgehend lahmgelegt. Zu dem Ausstand gegen eine von der sozialistischen Regierung geplante Pensionsreform hatten die größten Gewerkschaftsverbände des privaten Bereichs (GSEE) und der staatlichen Institutionen (ADEDY) aufgerufen. Nach Informationen der Gewerkschaftsführungen gingen mehr als 2,5 Millionen Menschen nicht zur Arbeit. Der größte Streik in Griechenland seit 50 Jahren sorgte für ein Verkehrschaos und behinderte auch viele Urlauber.

Ministerpräsident Kostas Simitis hatte Anfang April unter anderem vorgeschlagen, dass Arbeitnehmer künftig erst nach 40 statt wie bisher nach 35 Jahren Arbeit in Pension gehen dürfen. Zudem war eine Minderung der Pension um rund 20 Prozent geplant. Inzwischen hat die Regierung die Vorschläge zurückgenommen. Die Pensionskassen des Landes sind defizitär. Experten haben ausgerechnet, dass sie spätestens 2010 nicht mehr in der Lage sein werden, Pensionen auszuzahlen.

"Hände weg von unseren Pensionen - Generalstreik"

Zu Mittag kamen mehr als 20.000 Menschen zu einer Kundgebung ins Zentrum der griechischen Hauptstadt Athen. "Hände weg von unseren Pensionen - Generalstreik", skandierten die Demonstranten. Der Ausstand löste ein Verkehrschaos aus. Busse, U-Bahnen und Taxis fuhren nicht. Viele Zugverbindungen und Inlandsflüge wurden gestrichen. Die staatliche Luftlinie Olympic Airways bot nur einen Flug je Ziel an. Tausende Menschen mussten ihre geplanten Reisen verschieben, weil die Fähren nicht ausliefen. Zahlreiche Inseln waren den ganzen Tag von der Außenwelt abgeschnitten. Sogar die Besitzer kleiner Läden, die in Griechenland nur selten streiken, öffneten ihre Geschäfte nicht.

Bereits am 26. April hatten die Griechen erstmals gegen die Rentenreform gestreikt. Unter dem Druck dieser Ausstände hatte die sozialistische Regierung bereits vor Tagen ihre Vorschläge zurück genommen und den Gewerkschaften einen Dialog angeboten. Die Gewerkschaften fordern, dass den defizitären griechischen Pensionskassen mit staatlichen Zuschüssen oder zusätzlichen Steuern für Hochverdienende geholfen wird. Eine Erhöhung des Rentenalters oder eine Minderung der Renten wollen sie nicht akzeptieren.

Der Verband der griechischen Industrien dagegen warnt vor neuen Steuern. Dies würde die ohnehin niedrige Produktivität der griechischen Firmen noch mehr nach unten drücken, hieß es. Ein Dialog zwischen allen Beteiligten soll in den nächsten Tagen beginnen. (APA)

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