Märchenbuch für Manager

18. Mai 2001, 10:23
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Gute-Nacht-Geschichten für Kapitalisten

In über 100 Seiten versucht der Bilderbuch-Karrierist Jürgen Fuchs und Autor von „Märchenbuch für Manager“, dem Leser die Basics seiner wirtschaftsliberalen Überzeugungen näher zu bringen. Komplexitäten werden in Märchenform auf extrem vereinfachte Formeln gebracht wie etwa der fleißige Arbeiter der seinen „Stolz zeigte in seinem aufrechten Rückgrat und seinen strahlenden Augen“ da er gerne gute Produkte herstellt. Die Moral dieser Geschichte: Wenn Arbeitskräfte die Möglichkeit bekommen ihre Kreativität im vollen Maße auszuleben werden sie zufrieden ihre Arbeitsleistung entfalten können.

Arbeit muss Spaß machen, und die Arbeitnehmerschaft muss bereit sein dafür auch Risken auf sich zu nehmen. Fuchs greift insbesondere die deutsche Unternehmenskultur an, die ihre Innovationsfähigkeit und Kreativität verloren hat. Angestellte hassen ihren Beruf und beugen sich widerwillig den Anordnungen ihrer Vorgesetzten. Ihre gesamte Kreativität opfern sie stattdessen der Freizeit. Laut dem Autor eine Verschwendung von Humanvermögen.

Weitere Märchen widmen sich den unsinnigen Gewohnheiten der Großstadtkarrieristen. Die verzweifelte Bewältigung der Informationsflut und den täglichen Stress vergeudet wieder wertvolle Zeit, die eigentlich dem BIP geopfert werden sollte. Die Schlussfolgerung: „Das Märchenbuch für Manager“ kann durchaus als Gute-Nacht Lektüre herhalten, wenn man kein Problem damit hat, den Menschen als Produktionsmittel zu verstehen. (sam)

Jürgen Fuchs,
Das Märchenbuch für Manager
Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 1999

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