Blair bedauert Faustkampf seines Stellvertreters Prescott

17. Mai 2001, 14:54
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John Prescott hatte Eierwerfer einen Kinnhaken versetzt - "Times"-Umfrage sieht Labour bei 54 , Tories bei 28 Prozent

London - Der britische Premierminister Tony Blair hat den Faustkampf zwischen seinem Stellvertreter John Prescott und einem Demonstranten vom Mittwoch bedauert und um Verständnis gebeten. Blair sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, Prescott sei ein leidenschaftlicher Politiker und habe instinktiv reagiert, als ihn ein Ei am Kopf getroffen habe. Einige britische Politiker nahmen den Vorfall sehr ernst, andere sprachen von einer menschlichen Reaktion.

Etwa 30 Demonstranten hatten Prescott am Mittwochabend in der walisischen Stadt Rhyl unfreundlich empfangen. In Filmaufnahmen des Fernsehsenders Sky wurde am Donnerstag immer wieder gezeigt, wie Prescott aus kurzer Entfernung von einem Ei getroffen wurde. Der Labour-Politiker versetzte dem Angreifer daraufhin einen veritablen Kinnhaken. Polizisten trennten die am Boden weiterraufenden Streithähne und nahmen einen 29-jährigen Demonstranten fest. Der Mann kam nach einer Befragung auf Kaution frei.

Der Vorfall dominierte am Donnerstag die Titelseiten der britischen Zeitungen. "Es gibt eine lange und ehrenvolle Tradition des Eierwerfens auf Politiker", sagte der Vorsitzende der Konservativen in Schottland, Sir Malcolm Rifkind. "Wenn das jedes Mal zu Gewalt führen würde, wäre das eine sehr unglückliche Entwicklung." Die stellvertretende Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei, Roseanna Cunningham, forderte, Prescott müsse für die Zeit der polizeilichen Ermittlungen von seinen Pflichten suspendiert werden. "Demonstranten sollten keine Eier werfen, aber auf keinen Fall sollten Politiker Schläge austeilen", sagte Cunningham.

Der Vorsitzende der Liberalen Demokraten, Charles Kennedy, äußerte sich verständnisvoller. "Jeder weiß, dass Prescott ein derbes Temperament hat", sagte er. "Aber ich denke, wir sollten in diesen Vorfall nicht zu viel hineininterpretieren." Der 62-jährige stellvertretende Premierminister nahm als junger Seemann an Boxveranstaltungen teil und gewann sogar einen Pokal. Er bezeichnete den Vorfall als bedauerlich, entschuldigte sich jedoch nicht.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Zeitung "The Times" kann die Labour Party bei der Unterhauswahl am 7. Juni mit 54 Prozent der Stimmen rechnen. Für die Konservativen werden 28 Prozent vorhergesagt, während die Liberale Partei bei zwölf Prozent liegt. Den Ergebnissen lag eine persönliche Befragung von 1.109 Personen durch das Meinungsforschungsinstitut MORI zu Grunde. (APA/AP)

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