Blaue Personalprobleme - von Michael Völker

16. Mai 2001, 20:44
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Mit Gilbert Trattner verlieren die Freiheitlichen eine ihrer so raren Lichtgestalten an der Spitze der Partei. Der Bundesgeschäftsführer, ein tüchtiger Organisator und intimer Kenner der Partei und ihrer Strukturen, zieht sich nach nur einem Jahr von diesem Amt wieder zurück. Ein schwerer Schlag für die FPÖ: Nicht nur, dass Trattner seit einem guten Jahrzehnt durchaus geschickt ihr Geld zusammenhält, gilt der Kärntner als eine der wenigen von allen geschätzten Integrationsfiguren innerhalb der Partei.

Dass Trattners Rückzug nicht überraschend komme, wie Parteichefin und Klubobmann weiszumachen versuchen, ist nicht sehr glaubwürdig: Nachfolger ist derzeit nämlich keiner in Sicht. Während sich Trattner freiwillig und gegen den Willen der Partei verabschiedet, muss ein anderer auf Wunsch der Partei und gegen seinen Willen den Hut nehmen: Gerhard Fallent, einer der drei Generalsekretäre. Er hat der Partei in dieser Position nichts gebracht, weder nach innen noch nach außen.

Damit stellt sich für die FPÖ wieder einmal das heikle Personalproblem: Für die Schlüsselpositionen in der Partei fehlt der geeignete Nachwuchs. Zu rasch ist die "Gesinnungsgemeinschaft" gewachsen, der Umstieg auf Regierungspartei war ebenfalls nicht ganz leicht zu verkraften.

Die großen Personalrochaden bei der FPÖ stehen aber erst an: Die Regierungsmannschaft sieht derzeit alles andere als glänzend aus, da ist durchaus Bedarf für eine neuerliche Nachjustierung. Das betrifft etwa Sozialminister Herbert Haupt oder Infrastrukturministerin Monika Forstinger. Über eine Umbildung wird bereits gemunkelt. Für die FPÖ stellt sich dabei nur die Frage, ob sie die ÖVP für eine gemeinsame Rochade gewinnen kann, um nicht alleine ein Zeichen der Schwäche zu setzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. Mai 2001)

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